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Energie und Umwelt

Im Irrgarten einer Großanlage

Energie- und Verfahrenstechnikerin Anna Bahn ist im Großanlagenbau tätig. Sie weiß: Auf Großbaustellen gibt es immer Überraschungen.

Auf der britischen Insel

Jede Großanlage ist ein Unikat, für jede Aufgabe gibt es Spezialisten, und jeder Tag bringt eine neue Überraschung mit sich. Diese Erkenntnisse hat Anna Bahn von ThyssenKrupp Uhde in ihrer jungen Ingenieurkarriere bereits gewonnen. Die Energie- und Verfahrenstechnikerin hat ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt für ein Jahr auf die Insel verlegt. In der Nähe von Middlesbrough im Nordosten Englands hilft sie, eine neue PET-Chemieanlage zu errichten.

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Vor Überraschungen nie sicher

Zum Auftragsteam ist sie in der Phase des sogenannten Detail-Engineering hinzugekommen. Beim Bau der PET-Chemieanlage für Lotte Chemical UK Ltd. arbeitet sie mit vielen Kollegen aus der ganzen Welt zusammen. Hier wird geprüft, ob die einzelnen Komponenten den lokalen Qualitätsanforderungen entsprechen. „Auch wenn der rechtliche Rahmen feststeht, können die Normen von Land zu Land doch teilweise stark abweichen. Man ist vor Überraschungen auf keinen Fall sicher.“

Dies hängt mit der Globalität und Multinationalität eines solchen Großprojektes zusammen. So kommen Einzelkomponenten aus verschiedenen Ländern wie Deutschland, Indien oder China und werden dann mitunter erst vor Ort an der englischen Ostküste zu einzelnen Baugruppen zusammengebaut. Bei den zwei etwa 15 Meter langen Reaktoren, die das Herzstück der Anlage bilden, muss Anna Bahn auch schon mal durch die einzelnen Kammern kriechen. Wie Kletterer auf dem Hochseilparcours gesichert, inspiziert sie die kleinen Reaktor-Irrgärten, führt über jede einzelne Komponente genauestens Buch und verrät: „Bei dieser Arbeit in engen Räumen darf man keine Panikattacken bekommen.“ Schließlich kann eine unentdeckte lockere Schraube oder undichte Schweißnaht später im Anlagenbetrieb zu Problemen führen. Entsprechend wichtig ist daher die detailgetreue Montage-Dokumentation.

Demonstrationsanlage mit zukunftsweisender Technologie

Ihren Einstieg in den Großanlagenbau hatte Anna Bahn, nach Abschluss ihres Studiums der Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin, in Spanien, wo sie beim IGCC (Integrated Gasification Combined Cycle)-Kraftwerk in Puertollano für ThyssenKrupp Uhde eine Demonstrationsanlage im Industriemaßstab mit möglicherweise zukunftsweisender Technologie zur Flugstromvergasung betreut hat. Nach ausgiebiger Labortestphase und Prototypbetrieb einzelner Komponenten ist die Anlage seit über zehn Jahren erfolgreich im Einsatz. Die Vergasung ermöglicht es, aus Sondermüll wie Petrolkoks oder Biomasseabfällen wie Olivenkernen chemische Grundbaustoffe wie reinen Wasserstoff zu erzeugen, aus dem dann wiederum synthetisches Gas (SNG) oder Benzin hergestellt werden kann. „Das ist eine weltweit neue Technologie, die natürlich in der Testphase ständig optimiert werden muss. Das war das Spannendste, an dem ich als Ingenieurin bislang mitgearbeitet habe“, sagt Anna Bahn.

Weitere Infos zum Thema Großanlagenbau findest du in der kompakt-Ausgabe 12|2013 / 01|2014

ThyssenKrupp Uhde GmbH
Einblick in eine Großanlage
ThyssenKrupp Uhde GmbH
Integrated Gasification Combined Cycle-Kraftwerk
ThyssenKrupp Uhde GmbH
Anna Bahn
ThyssenKrupp Uhde GmbH
3D-Modell eines Vergasers
ThyssenKrupp Uhde GmbH
Kraftwerk in Puertollano/Spanien
ThyssenKrupp Uhde GmbH
Anna Bahn an einem Einsatzort