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Gesundheit

Flechten fürs Leben

Mithilfe von Flechttechniken konstruiert Kathrin Kurtenbach Implantate, die in Organen wie der Lunge zum Einsatz kommen.

Stricken, Häkeln, Flechten

An der Waldorfschule lernte Kathrin Kurtenbach (30) noch viel mehr handwerkliche Fertigkeiten kennen. Und es ist kein Winkelzug der Geschichte, dass es ein Jahrzehnt später ebenfalls Flechttechniken sind, die mit ihrer Unterstützung Leben erhalten.

Was bewegen / Gesundheit

Kreativ mit Maschinenbau

Eigentlich wollte Katrin Kurtenbach nach dem Abitur den kreativen Beruf der Innenarchitektur ansteuern. Das habe aber keine Perspektive – so der Tenor einer erwachsenen Welt. Die benachbarte Architektur fiel ebenso durch. Und was nun? "Ich habe dann geguckt, in welchen Bereichen ich meine Leistungskursfächer Physik und Mathematik anwenden kann. Dabei kam u.a. der Maschinenbau in Aachen heraus. Aachen, weil es eine schöne Stadt ist und die RWTH ein Institut für Konstruktionstechnik hat. Ich wollte damals Sachen konstruieren und meine Ideen aufs Papier bringen."

Umweg mit Stil

Und dann doch ein Winkelzug: Denn mit der Entscheidung für das technische Studium an der RWTH Aachen verabschiedete sich die Schermbeckerin (aus dem südwestlichen Münsterland) zunächst für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Schottland, wo sie mit autistischen Kindern arbeitete. Zugegeben – ein echtes Kontrastprogramm zum prognostizierten Maschinenbaustudium. "Tatsächlich sagten dort einige zu mir: ´Warum willst du nicht Soziale Arbeit oder so etwas studieren, du kannst doch gut mit Kindern umgehen?` Klar, hat mir das Spaß gemacht, aber Maschinenbau war eben das, was ich beruflich machen wollte. Also bin ich im Anschluss ans schottische Jahr direkt nach Aachen gezogen und habe angefangen zu studieren." So einfach kann´s gehen.

Lernen lernen

Nun ist das Wörtchen einfach hier wohl doch eher fragwürdig, denn das anschließende Studium war schlicht und ergreifend schwer. "Schon fürs Abi habe ich viel gelernt, aber das Grundstudium war tatsächlich äußerst anspruchsvoll, weil in den ersten vier Semestern ordentlich gesiebt wird." Das Fach Maschinenelemente bestand Kurtenbach nach einem erheblichen Lernaufwand knapp. Auch Thermodynamik und Mechanik I forderten die Studentin. Also lernte sie wie man lernt. Allein, oder mit ihrem heutigen Ehemann, den sie tatsächlich beim Lernen kennenlernte.

Die Ungewissheit

Nach einem durchgerungenen Grundstudium verlangte auch das Hauptstudium Durchhaltevermögen: "Während des gesamten Studiums fiel mir ehrlich gesagt kaum ein Fach wirklich leicht und es dauerte letztlich neun Semester, bis sich bei mir ein halbwegs sicheres Gefühl einstellte, dass ich das Studium wirklich schaffen würde. Bei meinen Kommilitonen war das übrigens sehr ähnlich." Immerhin konnte sie sich im Hauptstudium spezialisieren und Fächer wie Textiltechnik I oder Medizintechnik wählen, die bereits die idealtypische Schnittmenge zur textilen Medizintechnik anvisieren – der Fachbereich, in dem sie heute tätig ist. Also lag es nahe, dass auch ihre Diplomarbeit im Zeichen der Textiltechnik stand und das Flechten künstlicher Kreuzbänder thematisierte. Und noch während der Diplomarbeit fragte Kurtenbachs Betreuer, ob sie nicht am Institut für Textiltechnik promovieren wolle. Sie wollte.

Die Teamplayerin

Damit bewarb sie sich auf die Promotionsstelle und erhielt eine Zusage zum Thema "Das Flechten von Implantaten". Innerhalb der ersten drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitete sie nun in einem EU-Projekt zu Stent-Implantaten für die Lunge – also von medizinischen Implantaten, die Gefäße oder Hohlorgane offen halten. Während dieser Zeit hat sie gemeinsam mit Biologen und Medizinern Schwachstellen im Implantationsvorgang aufgedeckt, die sie mit ihrer Forschung beheben möchte. Vier mögliche Lösungen hat sie schon erarbeitet, jetzt müssen die neuen Ansätze in Kooperation mit der Uniklinik Aachen und mehreren deutschen Medizintechnikunternehmen nur noch getestet werden. Die Ergebnisse stehen dann bis spätestens 2017 in Kurtenbachs Doktorarbeit und könnten schließlich Auswirkung auf die Herstellung aller Stents weltweit haben.

Michael Bokelmann
Kathrin Kurtenbach an der RWTH Aachen
Michael Bokelmann
Mit ihrer Entscheidung für den Maschinenbau ist Kathrin sehr glücklich
Michael Bokelmann
Präzision ist ein wichtiger Faktor bei medizinischen Entwicklungen
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Die Stents können Leben retten
Michael Bokelmann
Teamwork ist wichtig in der Forschung
Michael Bokelmann
Eine einzelne Spule
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Strickmaschine
Michael Bokelmann
Kollege Stan
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Kathrin Kurtenbach im Labor
Michael Bokelmann
Flechtverbindungen in Großaufnahme
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Die Implantate kommen in der Luftröhre zum Einsatz
Michael Bokelmann
Filigranes Flechtwerk in Perfektion

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