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Medien und Kommunikation

Chipkarten im Stresstest

Jan Schuhmacher testet bei Infineon Chips, die beispielsweise in EC- oder Identitätskarten eingebaut werden.

Karten, die was mitmachen

Sie fristen ein langweiliges Dasein in unserem Portemonnaie, müssen aber im richtigen Moment verlässlich funktionieren. Zum Beispiel am Geldautomaten, beim Betreten des Arbeitsplatzes oder beim Arzt, wenn man die Gesundheitskarte zückt. Chipkarten kommen in vielen Situationen zum Einsatz und müssen einiges aushalten. Ingenieur Jan Schuhmacher sorgt beim Halbleiterhersteller Infineon dafür, dass die treuen Begleiter uns nicht im Stich lassen.

Was bewegen / Medien und Kommunikation

Chipkarten für jede Gelegenheit

"Wir müssen garantieren, dass die Chips ihre Aufgaben zuverlässig ausführen und auch unter extremen Bedingungen wie hohen Temperaturen, Reibung oder Gewicht, etwa durch den Transport einer Karte in der Gesäßtasche, keinen Schaden nehmen."

Seit Juli 2016 ist der 29-Jährige im sogenannten Zuverlässigkeitslabor bei der Infineon Technologies AG in Regensburg tätig. "Wir überprüfen hier, ob die Chipkarten die für ihren Zweck notwendigen Bestimmungen und Qualitätsansprüche erfüllen. Dabei gibt es beispielsweise für unterschiedliche Länder jeweils andere Vorgaben." So muss beispielsweise eine ID (Identifikationskarte)-Karte in Europa zwei Jahre durchhalten, in Japan sogar ganze zehn Jahre einsatzfähig bleiben. Bei Chipkarten handelt es sich nicht einfach nur um Plastik. Die unscheinbar aussehenden Karten können dank ihres integrierten Chips die verschiedensten Aufgaben erfüllen: Sie speichern Daten und tauschen diese beim Kontakt mit Geräten, wie z.B. Geldautomaten, Sensoren an gesicherten Eingangstüren oder EC-Kartengeräten aus.

Zwischen Testlabor und Schreibtisch

Doch wie läuft die Arbeit im Testlabor für die intelligenten Karten, die auch als Smart Cards bezeichnet werden, ab? "Beispielsweise werden von einem Kunden neue Anforderungen an unsere Chips gestellt. Sie müssen größere Kräfte als bisher oder höhere Temperaturen aushalten. Dann muss ich in Zusammenarbeit mit meinem Chef, Kollegen und externen Zulieferern eine neue Maschine spezifizieren, die diesen Stress simuliert. Bei meiner ersten Dienstreise war ich zum Beispiel bei einem unserer Zulieferer und habe dort eine Maschine begutachtet, die Biegetests an Smart-Cards durchführt. In den nächsten Wochen werde ich noch weitere Zulieferer für diese Biegetester besuchen."

Anschließend wird eine Entscheidungsmatrix erstellt, um die am besten geeignete Anlage auszuwählen. Auch Anpassungen der Programme, die die ´Stresstests` für die Chips durchführen, gehören zum Aufgabenbereich von Jan Schuhmacher. "Die Software muss an unsere Maschinen angepasst werden. Da muss man viel testen und Absprachen treffen. Die Test-Ingenieure sitzen in Bukarest oder Graz, die Maschinen stehen aber hier in Regensburg. Damit die Programme laufen, müssen mein Kollege und ich sie umschreiben und anpassen."

Insgesamt verbringt der Elektrotechnikingenieur etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit am Schreibtisch mit dem Schreiben von Mails, mit Telefongesprächen und dem Einholen von Angeboten. Die anderen fünfzig Prozent bestehen aus Laborarbeit wie dem Messen, Testen, Be- und Entladen von Maschinen. "Außerdem werde ich gerufen, wenn einer meiner Kollegen mit einem Rechner oder einer Anlage ein Problem hat."

Von Plänen und Zufällen

"Eigentlich hatte ich vor, Kunst zu studieren und an der Schule zu unterrichten", berichtet Jan Schuhmacher von seinen ursprünglichen Zukunftsplänen. "Aber nach der zwölften Klasse auf der Fachoberschule wollte ich dann doch kein weiteres Schuljahr bis zur Allgemeinen Hochschulreife dranhängen, sondern lieber direkt ins Studium starten. Da ich immer schon gerne gebastelt und beispielsweise Computer selbst zusammengebaut habe, sprach mich der Studiengang Elektroinformationstechnik an der nahen OTH Regensburg an."

In den ersten Semestern galt es, in Mathematik und den Naturwissenschaften einiges nachzuholen. "Aber ich habe mich an der Hochschule gut betreut gefühlt und wurde beispielsweise in den Sprechstunden der Professoren sehr motiviert. Die Stimmung auf dem Campus war immer sehr angenehm." Anwenden konnte Jan Schuhmacher sein im Studium erlerntes Wissen während eines Praxissemesters bei einem Automobilzulieferer in Südafrika und als Werkstudent im Bereich Sensortechnik bei einem Münchner Unternehmen. Nach dem Studium startete Jan Schuhmacher als Ingenieur bei einem Familienunternehmen, das sich auf Veranstaltungstechnik wie die Beschallung von Großveranstaltungen konzentriert.

Die Laufbahn von Jan Schuhmacher zeigt, dass manchmal auch Glück und Zufall bei der Karriere eine Rolle spielen können – zusammen mit der Bereitschaft mit anderen ins Gespräch zu kommen und Chancen zu nutzen. Denn zu seinem Job als Laboringenieur bei Infineon kam Jan Schuhmacher über eine Mitfahrgelegenheit. "Ein weiterer Gast im Auto arbeitete bereits bei Infineon und berichtete mir sehr begeistert von seiner Tätigkeit. Danach hat er mir zwei Ausschreibungen geschickt – und bei der zweiten handelte es sich um meine aktuelle Stelle."

Infineon Technologies AG
Jan Schuhmacher arbeitet zwischen Testlabor und Schreibtisch
Infineon Technologies AG
Jan Schuhmacher unterzieht die Chipkarten verschiedenen Stresstests
Infineon Technologies AG
Jan Schuhmacher und seine Kollegen müssen ihre Testsoftware regelmäßig anpassen
Infineon Technologies AG
Chipkarten: komplexer als man vermutet