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Mobilität

Schwimmende Städte

Anna Benjamins von der Meyer Werft in Papenburg entwickelt Konzepte, wie der Abfall auf Kreuzfahrtschiffen umweltfreundlicher entsorgt werden kann.

Volle Kraft voraus!

Kreuzfahrtschiffe bilden ein komplexes, hochtechnisiertes Urlaubsziel - und wie an Land entsteht auch hier jeden Tag eine Menge Abfall. Aus Platzgründen fehlt jedoch vielen Schiffen die Filtertechnik moderner Verbrennungsanlagen. Ein wenig beachtetes (Umwelt-)Problem, das Anna Benjamins auf der Meyer Werft in Papenburg lösen möchte.

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Früh in die Naturwissenschaften

Anna Benjamins (27) kommt aus Norddeich, wuchs nur 300 Meter entfernt vom Wasser auf und sah regelmäßig die Fähren nach Norderney und Juist ablegen. Doch nicht etwa ihre Nähe zur Nordsee und zum Fährbetrieb, sondern ihr Interesse für Naturwissenschaften hat sie in den Schiffbau geführt. "Ich wollte schon in der Schule die Dinge eher verstehen als bloß auswendig lernen. Daher mochte ich Mathe, Physik und Chemie besonders gern." So verwundert es nicht, dass ihre Lieblingsfächer in der Oberstufe auch ihre Leistungskurse wurden. Und mit dem Abi in der Hand blieb sie auch weiterhin den Naturwissenschaften treu.

Übergang ins Studium

Für die Studienentscheidung war sie vor allem im Internet unterwegs. "Ich hatte die Idee, in Innsbruck zu studieren, weil ich in der Region häufig mit meiner Familie im Urlaub war. Unter den dort angebotenen Studiengängen habe ich dann die Umwelttechnik entdeckt." Vom Urlaubsziel zur Studienwahl - auch ein interessantes Modell. Neben Innsbruck bewarb sie sich auch in Emden und in Hamburg. Die plötzliche Erkrankung ihres Vaters sorgte dann für eine Prioritätenverschiebung bei der Standortauswahl. Die Nähe der Familie war wichtiger als der besondere landschaftliche Reiz der Innsbrucker Hochschule. Die Entscheidung fiel schließlich auf die nahegelegene Hochschule Emden/Leer und das Fach Chemie- und Umwelttechnik. "Eine Entscheidung die ich bis heute nicht bereut habe."

Die ersten Studienjahre

Nach ihrem guten Abi fiel Anna der Einstieg ins Studium leicht. "Für mich war ein Teil des Stoffs der ersten Semester durchaus eine Wiederholung, was aber bestimmt auch an meinen Leistungskursen lag." Später gab es jedoch auch Fächer, die durchaus eine Herausforderung waren. Verfahrenstechnik, Organische Chemie und Mathe 3. Fächer, für die Anna ganz schön büffeln musste. "In den meisten Fächern habe ich aber weniger gelernt als fürs Abi. Anders als im Abi interessierten mich diese Kurse wirklich. Und wenn mich etwas interessiert, will ich es auch verstehen. Ich fürchte, dass ich mit meiner vielen Fragerei in den Vorlesungen einigen Profs ziemlich auf den Senkel ging." Wohl aber auf eine sympathische Art und Weise. Schließlich kam der Vorschlag, die Bachelorarbeit bei der Meyer Werft zu schreiben, von einem Professor, bei dem sie als studentische Hilfskraft gearbeitet hat.

Bachelor- und Masterarbeit

Unter dem Thema 'Alternative Kraftstoffe' untersuchte sie die regenerative Herstellung des Treibstoffs Methanol. Ihr erster Kontakt zur Meyer Werft. Ein halbes Jahr investierte sie für die Bachelorarbeit. Für Anna Benjamins stand da schon lange fest, dass sie ihren Master anschließen würde. Sie studierte wieder in Emden, den auf ihren Bachelor aufbauenden und deutlich praxisnäheren Master Applied Life Sciences in der Vertiefung Nachhaltige Verfahrensentwicklung und Biotechnologie. "Ich habe an vielen Projekten in Gruppen gearbeitet, Berichte verfasst und Präsentationen gehalten. Im Master war viel mehr Eigeninitiative gefragt." Auch dann, als es schließlich um die Masterarbeit ging. "Eigentlich wollte ich, obwohl es mir bei der Meyer Werft gut gefallen hat, gerne noch ein anderes Unternehmen kennen lernen." Also schrieb Anna Bewerbungen und ging zu Vorstellungsgesprächen. "Doch entweder war die Unternehmensatmosphäre steif oder das Thema sagte mir nicht zu. Da mir ein grundsätzliches Wohlbefinden aber auch am Arbeitsplatz sehr wichtig ist, habe ich mich wieder für die Meyer Werft entschieden." Die Arbeitsatmosphäre und die Aufgabe - beides passte. Unter dem Thema Alternative Abfallbehandlung untersuchte sie Möglichkeiten, wie der Abfall auf einem Schiff umweltfreundlicher entsorgt werden kann, als es aktuell häufig praktiziert wird: So dient der Abfall, je nach Sorte, zum Beispiel als Fischfutter oder wird aus Platzgründen direkt an Bord verbrannt.

Nach dem Studium

Das Abfall-Thema hat derart viel Potenzial, dass Anna Benjamins mit ihrem Masterarbeitsthema gleichzeitig eine anschließende Stelle in Aussicht gestellt wurde. Denn auch gesetzlich wird sich in den nächsten Jahren etwas an der Müllentsorgung ändern, so die vorausschauende Philosophie der gesamten Werft. Seit Mai 2015 ist Anna Benjamins in ein EU-Projekt eingebunden, das sich der Aufbereitung von Bordabfällen widmet. Am Anfang stehen eine saubere Sortierung der Abfälle und eine Trennung von recyclebaren Wertstoffen wie Glas und Metall. Am Ende soll aus den nicht recyclebaren Materialien ein fester, stabiler und hygienischer Ersatzbrennstoff entstehen, der nach dem Anlegen im Hafen einfach, schnell und sauber an Land gebracht werden kann. Damit wird das Urlaubsziel Kreuzfahrtschiff dann auch in Sachen Abfallbehandlung umweltfreundlicher als es die bisherige Technik hergab und das Fischfutter gehört so der Vergangenheit an.

Mehr über Anna Benjamins erfährst du in der kompakt-Ausgabe 11|2016 zum Thema Schiffstechnik.

Meyer Werft
Kreuzfahrtschiffe sind nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch ein komplexes und hochtechnisiertes Arbeitsfeld für Ingenieure
Michael Bokelmann
In Zukunft sollen Abfallsortierung und Recycling zum Standard an Bord gehören
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Anna Benjamins entwickelt umweltfreundliche Techniklösungen
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Sie ist seit ihrer Bachelorarbeit im Team der Meyer Werft
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Anna Benjamins studierte an der Hochschule Emden/Leer
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Ihr Arbeitsplatz ist die Meyer Werft in Papenburg
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Manches Schiff wirkt wie eine schwimmende Stadt
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In Zukunft sollen Abfallsortierung und Recycling zum Standard an Bord gehören
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Sie sucht nach Möglichkeiten, wie der Abfall auf einem Schiff umweltfreundlicher entsorgt werden kann
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Seit 2015 ist Anna Benjamins zusätzlich in einem EU-Projekt aktiv, das sich der Aufbereitung von Bordabfällen widmet
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