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Städte von morgen

Innovation in the city

Maren Wenzel bringt die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung voran. Erneuerbare Energien waren schon in Schule und Studium ihr Antrieb.

KWK fürs Ruhrgebiet

Umwelt und Nachhaltigkeit waren in Maren Wenzels (30) Schule die entscheidenden Topthemen. Ein Glücksfall, denn diese Themenkombination wurde erst zu ihrem ganz privaten Steckenpferd und schließlich zum Beruf. Heute ist die Ingenieurin am Projekt InnovationCity Bottrop beteiligt und sorgt für die Installation von Anlagen für die Kraft-Wärme-Kopplung.

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Roter Faden Energie

Ein schuleigenes Windrad, die Fotovoltaikanlage auf dem Schuldach und ein Passivhaus im Pausenhof – ihre Schule in Frankfurt bewies früh Weitsicht und konnte Maren Wenzel bereits in jungen Jahren überzeugen. "Damals war die Idee von Passivhäusern noch ganz neu. Gerade dieser unkonventionelle Ausblick hat mich aber bekräftigt, in diese berufliche Richtung zu sehen." In der Mittelstufe belegte sie das Wahlpflichtfach Ökologie und schließlich die Leistungskurse Biologie und Deutsch. Und mit dem Abi in der Tasche schloss Wenzel ein freiwilliges ökologisches Jahr an, um sich intensiver mit Themen wie erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu beschäftigen.

Studieren mit dem nötigen Biss

Schließlich entschied sich Maren Wenzel dafür, Umwelttechnik an der Hochschule RheinMain in Rüsselsheim zu studieren. Ein Ingenieurstudiengang, der bereits im Grundstudium seine Zähne zeigte: "Insbesondere in den Fächern Mathe, Physik und E-Technik fehlte mir mit meinem Deutsch-Bio-Abi schlichtweg das Vorwissen." Ein erhebliches aber dennoch beherrschbares Problem, dass sie mit hoher Eigeninitiative und diversen Lerngruppen meisterte und dem Hauptstudium so ein ungleich besseres Fundament bot. Spätestens in dieser Zeit sagte ihr insbesondere die breite thematische Fächerung des Studiums zu. "Ich hatte Chemie, Bio aber auch Physik. Ein großes Ganzes, das interdisziplinär miteinander verwoben ist. Und dank dieser Breite habe ich einen echten Überblick gewonnen, der mein Studium letztlich ausmachte."

Trotz dieser Vielfalt suchte sie immer wieder Themenwelten, in die sie noch tiefer eintauchen konnte. So beschäftigte sie sich als Werksstudentin mit dem Carbon-Management und CO2-Zertifikate-Handel. Das vorgeschriebene berufspraktische Semester absolvierte Wenzel wiederum beim Münchener TÜV Süd. Und in ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit der Auswirkung von Schwermetallen auf das Entgiftungspotenzial von Schilfpflanzen. Biochemie pur. „Nach dem Diplom wollte ich mein technisches Wissen um die Themen Umweltmanagement und Stadtplanung erweitern, weil diese Bereiche eng mit der Umwelttechnik verknüpft sind. Außerdem wollte ich einen international anerkannten Abschluss haben.“ Also schloss Wenzel den Master Umweltmanagement und Stadtplanung in Ballungsräumen an, mit dem Spezialgebiet: Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Energieeffizienz für den Ruhrpott

Schicksal oder Zufall schrieb nach dem bestandenen Master das Gas- und Wärme-Institut in Essen (NRW) eine Stelle für Projektingenieure mit ausgewiesener KWK-Kompetenz aus. Es war ein kurzes Überlegen, das Maren Wenzel für ihren beruflichen Einstieg schließlich ins 250 Kilometer entfernte Ruhrgebiet trieb. "Die Ungewissheit eines völlig neuen regionalen Umfelds hielt mich gewiss nicht davon ab, den Schritt zu gehen. Vielmehr haben mir die Kollegen und Vorgesetzten einen geschmeidigen Einstieg ermöglicht und mich schnell in die Thematik eingearbeitet."

Derzeit arbeitet Wenzel in einem Projekt der InnovationCity Bottrop, das im Zeitfenster von zehn Jahren und in einem städtischen Pilotgebiet mit 69.000 Einwohnern den CO2-Ausstoß halbieren will. Damit insgesamt 100 KWK-Anlagen für eine spürbare Verringerung des Klimakillers sorgen können, kümmerte sich Wenzel um die optimale Installation aller Anlagen. "Ich habe Wände, Isolierung, Fenster, Heizung, Keller und so weiter begutachtet und für das jeweilige Bauobjekt die optimale KWK-Anlage ausgewählt." Nach Abschluss der Installationen verfolgt sie via Datenleitung das Anlagenverhalten und berechnet den CO2-Ausstoß und die effektive Einsparung im Wissen um die früheren Werte.

Was die Schule einst mit Umwelt und Nachhaltigkeit überschrieb, findet sich heute deckungsgleich in ihrem Berufsleben wieder. Manche Wege in den Beruf sind eben schicksalshaft. Oder doch zufällig?

Weitere Infos zum Thema Urbanität findest du in der kompakt-Ausgabe 6|2015

Michael Bokelmann
Maren Wenzel arbeitet als Projektingenieurin beim Gas- und Wärme-Institut in Essen
Michael Bokelmann
Auch nach der Installation muss Maren Wenzel die KWK-Anlagen weiter überwachen
Michael Bokelmann
Beim Projekt der Innovation City Bottrop ist Maren Wenzel für insgesamt 100 KWK-Anlagen zuständig
Michael Bokelmann
Über Datenleitungen verfolgt sie das Anlagenverhalten…
Michael Bokelmann
…und berechnet dann deren CO2-Ausstoß
Michael Bokelmann
Nach dem Diplom folgte noch ein Masterstudium mit der Spezialisierung im Bereich Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)
Michael Bokelmann
Maren Wenzel hat Umwelttechnik an der Hochschule RheinMain in Rüsselsheim studiert
Michael Bokelmann
Die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit spielten schon zu Schulzeiten eine große Rolle für Maren Wenzel
Michael Bokelmann
In der Mittelstufe belegte sie das Wahlpflichtfach Ökologie und später den Leistungskurs Biologie
Michael Bokelmann
Nach der Schule entschied sich Maren Wenzel zunächst für ein freiwilliges ökologisches Jahr rund um die Themenschwerpunkten erneuerbare Energien und Energieeffizienz