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Wasser und Nahrung

Unterschätzte Alleskönner

Als Kind spielte Frances Suckale (26) am liebsten draußen im Grünen, in der Natur. Heute hat sie einen grünen Job. Sie konzipiert Photobioreaktoren: Behälter, in denen (nicht nur grüne) Algen kultiviert werden.

Seit Kindesbeinen Biotechnologin

Frances Suckale wuchs in Zwochau auf, einem 150-Seelen-Dorf, das umgeben von Natur zwischen Halle und Leipzig liegt. Was für andere ostdeutsche Einsamkeit bedeutet, war für sie als Kind das Paradies. "Mit meinen beiden Schwestern habe ich oft im Wald gespielt. Dort haben wir uns Buden und Verstecke gebaut", erzählt die heute 26-Jährige. Ihr Interesse für die Natur hielt auch später in der Schule an, besonders Biologie hatte es ihr angetan. Aber auch das Handwerkliche lag ihr nah – ihr Vater ist Polier, der Opa Schuhmacher. Und so entschied sie sich nach ihrem Abitur mit Bio- und Deutsch-LK für den Studiengang Biotechnologie an der Hochschule Anhalt in Köthen (Sachsen-Anhalt).

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Von Zwochau in die Welt

"Das Studium war anstrengend, hat mir aber auch viel Spaß gemacht, weil ich schon früh auf mein Thema "Algen" gestoßen bin", erinnert sich Suckale. Bei einer Projektarbeit im dritten Semester schlug ein Professor ihr vor, sich in einem Projekt mit der "Abwasserreinigung mithilfe von Algen und Belebtschlamm" zu beschäftigen und weckte so ihr Interesse an den grünen, mitunter auch roten, braunen oder türkis-farbenen Einzeller. Passenderweise konnte sie ihre Begeisterung für Algologie mit einem studentischen Hilfsjob verbinden. In der Fachgruppe für Biochemie und Algentechnologie betreute sie Algenreaktoren, führte selbst Versuche durch und wertete diese aus.

Algenforschung "Down Under"

Diese frühe Spezialisierung verhalf ihr zu einem Bachelorarbeitsthema bei dem renommierten australischen Algenwissenschaftler Michael Borowitzka. "Meine Professorin kannte ihn und sagte, dass sie zu ihm noch nie Studenten geschickt habe, ich die Hochschule aber würdig vertreten würde." Genau das tat sie schließlich auch. In einer Versuchsanlage in Australien fand sie heraus, dass der Biodieselgehalt der Algen empfindlich auf Unterschiede in der Temperatur und der Sonneneinstrahlung reagiert.

Nach der Bachelorarbeit ging es für Suckale direkt mit dem Master in Biotechnologie weiter. "Ich wusste, dass ich die Masterarbeit direkt dran hängen muss. Hätte ich mich erst mal ins Berufsleben begeben, wäre die Hürde zur Wiederaufnahme des Studiums deutlich höher gewesen – vielleicht sogar zu hoch." Also blieb sie an der ihr vertrauten Hochschule und arbeitete auch im Master parallel zum Studium weiter als wissenschaftliche Hilfskraft in der Algen-Fachgruppe. Passgenau beschäftigte sie sich auch in ihrer Masterarbeit wieder mit Algen – wieder im Ausland, dieses Mal aber in Neuseeland. Dort untersuchte sie, ob und wie man mit Algen Biogas aufwerten kann. Ihre Idee, das Gas durch Algenbecken zu leiten und anschließend aufzufangen, ging auf. Ihrem neuseeländischen Betreuer gefiel die Arbeit sogar so gut, dass er ihr anbot, dort direkt eine Doktorarbeit zu verfassen. "Das war natürlich ein durchaus schmeichelndes Angebot. Allerdings gab es damals keine Mittel, mich zu bezahlen. Drei bis fünf Jahre ohne Bezahlung waren für mich wirtschaftlich schlichtweg unmöglich."

Neue Herausforderungen

Also bewarb sie sich unter anderem als Prozessingenieurin bei der Stuttgarter Subitec GmbH, die sich auf den Bau von Algenkultivierungsanlagen spezialisiert hat. Suckale brachte zwar viel Erfahrung in der Kultivierung von Algen mit, im Anlagenbau – dem Tagesgeschäft von Subitec – aber eher wenig. "Ich habe mich ganz bewusst für eine berufliche Weiterentwicklung entschieden und im Vorstellungsgespräch selbstbewusst gesagt, dass ich erst 24 sei und noch eine Menge lernen möchte." Diese engagierte Einstellung hat das Unternehmen wohl überzeugt – seit zwei Jahren arbeitet die gebürtige Zwochauerin nun in Baden-Württemberg und entwirft Photobioreaktoren, Kultivierungsanlagen für Algen.

Algen braucht man als Fischfutter in Fischzuchten, aus Algen gewinnt man aber auch Farbpigmente und Nährstoffe für Nahrungsergänzungsmittel. Darüber hinaus forschen Wissenschaftler an weiteren Einsatzmöglichkeiten, und wollen zukünftig sogar Biodiesel aus Algen gewinnen. Das Einsatzgebiet von Algen ist groß und ebenso das Einsatzgebiet von Algenspezialisten. Wohin also Frances Suckale berufliche Reise geht, wird die Zukunft zeigen; ebenso, in welchen Bereichen Algen dem Menschen von Nutzen sein können. Fest steht: Ob Ein- oder Mehrzeller – Algen haben das Potenzial für mehr. Und in Stuttgart kommt man den neuen Möglichkeiten schon ein ganzes Stückchen näher.

Michael Bokelmann
Seit zwei Jahren arbeitet Frances Suckale bei Subitec
Michael Bokelmann
Die 26-jährige konzipiert Photobioreaktoren
Michael Bokelmann
In den Reaktoren werden Algen kultiviert
Michael Bokelmann
Frances Suckale hat sich schon früh für Algentechnologie interessiert
Michael Bokelmann
In den Reaktoren werden die Reaktionen der Algenkulturen untersucht
Michael Bokelmann
In der Wissenschaft gibt es unzählige Einsatzbereiche für Algen
Michael Bokelmann
Der Anlagenbau war für Francis anfangs noch Neuland
Michael Bokelmann
Bei ihrer Arbeit bei Subitec kann Frances viel Neues lernen
Michael Bokelmann
Frances arbeitet nicht nur an den Reaktoren, sie entwirft sie sogar selbst
Michael Bokelmann
Die Einsatzgebiete für Algen und Algenspezialisten sind vielfältig
Michael Bokelmann
Die Photobioreaktoren werden streng beobachtet
Michael Bokelmann
Im Labor können die Reaktionen der Algen genau gemessen werden
Michael Bokelmann
Die Forscher hoffen, bald Biodiesel aus Algen zu gewinnen
Michael Bokelmann
Frances kontrolliert einen ihrer Reaktoren
Michael Bokelmann
Frances brachte schon aus dem Studium Erfahrungen in der Algenkultivierung mit
Michael Bokelmann
Bei Subitec kann Frances ihre Begeisterung für Biochemie und Algentechnologie verbinden
Michael Bokelmann
Die Zukunft hat noch viel für Frances und die Algentechnologie zu bieten

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