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Wasser und Nahrung

Gesunde Kartoffelchips

Kemal Aganovic entwickelt Nahrungsmittel,
die gut schmecken, gesund und fettarm sind sowie eine nachhaltige Produktion ermöglichen.

Interdisziplinär und international

Die Mutter Naturwissenschaftlerin. Der Vater Elektroingenieur. Wenn man so will, wurden Kemal Aganovic (31) alle Finessen für die Lebensmittelindustrie in die Wiege gelegt. Talent, Erfahrungen, Wissen und Fleiß nutzt er heute zur Entwicklung gesünderer Lebensmittel.

Was bewegen / Wasser und Nahrung

Forscher mit Weitblick

Es war beileibe nicht die beste Zeit für ein Ingenieurstudium, schließlich hinterließ der vergangene Bosnienkrieg nicht nur eine dezimierte Technik an den Unis. Auch viele Experten blieben den Hochschulen fern. Und doch wählte der gebürtige Bosnier Kemal Aganovic die Uni Sarajevo für die ersten Schritte auf dem Weg zum Lebensmittelingenieur. Den Rahmenbedingungen geschuldet startete das Ingenieursstudium äußerst theorielastig und forderte damit auf der einen Seite die ganze Aufmerksamkeit des jungen Studenten und beförderte zugleich seine Eigeninitiative. Nach konzentrierten Studienjahren und mit dem Diplom in der Tasche zog es ihn daher zunächst in eine ortsansässige Brauerei, um dort endlich die so schmerzlich vermisste Praxiserfahrung zu sammeln.

Von Sprachhürden und Stipendien

Mit einem Füllhorn an Erfahrungen verließ er eineinhalb Jahre später die Brauerei im Wissen darum, "dass die Forschung in der Lebensmittelbranche im Ausland insbesondere Österreich, Deutschland und der Schweiz enorme Möglichkeiten schafft." Sein nächstes Ziel daher: Im Ausland zu studieren. Letztlich entschied sich Aganovic für eine deutschsprachige Uni in Wien – freilich trotz des Deutschunterrichts in der Schule und dem erforderten und zertifizierten B2-Fremdsprachenkenntnissen eine Herausforderung. "In Wien waren natürlich alle Prüfungen auf Deutsch. Das war insbesondere am Anfang nicht einfach." Fleiß und Ehrgeiz ließen Aganovic aber auch diese beachtlichen Hürden meistern und sorgten dafür, dass er seine Masterarbeit an dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (ofi) realisieren konnte, das wiederum eng mit dem – bald für ihn wichtig werdenden – Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück (DIL) zusammen arbeitet. Tatsächlich blieben diese Ambitionen nicht unbemerkt: So erkannte sein Professor das Talent des jungen Bosniers und verhalf ihm im Rahmen eines EU-Projekts mit namhaften Firmen – dem Marie-Curie-Programm – für seine Doktorarbeit zu einer Stelle als Marie-Curie-Fellow am weltweit tätigen DIL.

Von Neuseeland zur Mayonnaise

So hat Aganovic während seiner Zeit am DIL schon reichlich internationalen Innovationswind schnuppern können. Für zahlreiche Projekte und Konferenzen hat der junge Ingenieur Forschungseinrichtungen in den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Neuseeland, den USA, Frankreich und Spanien sowie namhafte Firmen wie Coca-Cola und Unilever besucht. "Am DIL beschäftigt man sich wirklich mit neuesten Lebensmitteltechnologien, daher stand es für mich als interessantes Forschungsinstitut sehr schnell ganz vorne", sagt Aganovic. Das Interesse war wohl auf beiden Seiten gegeben, und so arbeitet er heute – nach Abschluss des dreijährigen Projekts – als Lebensmitteltechnologe am DIL. Seine Fachgebiete: Hochdruck und gepulste elektrische Felder. Begriffe, die auf dem ersten Blick so gar nichts mit der Welt der Lebensmittel zu tun haben und die doch Technologien formen, mit denen Aganovic neue Lebensmittel herstellt – oder ihre Eigenschaften zielgerichtet beeinflussen kann. Beispiel: Mayonnaise! Im DIL gelang es ihm mit Hilfe eines Forscherteams eine Mayonnaise zu entwickeln, die keinen 80-prozentigen Fettanteil benötigt, um zu schmecken, sondern ohne Zusatz synthetischer Stoffe mit 25 bis 30 Prozent Fett auskommt. Und auch wenn es vielleicht banal klingen mag, so ist dies ein technologischer Meilenstein, der sich auf zahlreiche Lebensmittel übertragen lässt und den gesundheitsbedenklichen Fettanteil der Nahrung grundsätzlich mindern kann.

Kemal Aganovic vermischt in der Lebensmitteltechnologie ganz selbstverständlich die Disziplinen und verknüpft die Biologie mit dem Maschinenbau und die Ökotrophologie mit der Verfahrenstechnik. Man könnte auch sagen: Ein interdisziplinärer Forscher in der Avantgarde-Technologie der Lebensmittelbranche. In welchem Berufsfeld ist eine derartige Vermischung sonst noch möglich?

Michael Bokelmann
Dr. Volker Heinz und Kemal Aganovic am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik
Michael Bokelmann
Kemal Aganovic entwickelt die Nahrungsmittel der Zukunf
Michael Bokelmann
Auch die Technologien zur nachhaltigen Produktion innovativer Lebensmittel stehen beim DIL im Mittelpunkt
Michael Bokelmann
Kemal Aganovic und seine Kollegen untersuchen die verschiedendsten Lebensmittel
Michael Bokelmann
Am DIL forscht man beispielsweise an einer Lebensmittelmasse, die in Geschmack und Konsistenz Geflügel total ähnlich ist
Michael Bokelmann
Wichtig ist nicht nur die Entwicklung der Lebensmittel, sondern auch die nachhaltige Produktion
Michael Bokelmann
Die Suche nach den Lebensmitteln von morgen führt fast immer durch die komplexen Prozesse der Anlagentechnik
Michael Bokelmann
Bei der Arbeit im Labor sind Sorgfalt und Hygiene enorm wichtig
Michael Bokelmann
Kemal Aganovic untersucht mit seiner Kollegin Maren Bergmann unterschiedliche Blaubeersäfte unter anderem in Bezug auf die darin enthaltenen Aromen
Michael Bokelmann
AM DIL untersucht Kemal Aganovic unterschiedliche Substanzen, zum Beispiel vergleicht er Blaubeersaft aus gefrorenen und aus frischen Beeren
Michael Bokelmann
Verschiedene Saftproben
Michael Bokelmann
Auf Zucker und Fett zu verzichten ist gar nicht so leicht: Beides steckt in vielen Fertiggerichten