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ING des Monats

April 2017: Matthias Maurer

Traumziel Mond

Ein Ingenieur auf dem Weg zur Weltraummission

Anfang 2017 wurde Matthias Maurer ins Astronautenkorps der ESA berufen. In den kommenden Jahren wird er an einer Weltraummission teilnehmen. Das Ziel ist bisher noch unbekannt. Auch der Mond ist nicht ausgeschlossen.

Geduld zahlt sich meistens aus. 2009 war die Chance, als Astronaut ins All zu fliegen, für Matthias Maurer zum Greifen nah. Von rund 8.500 Bewerbern um die Plätze im Team der ESA-Astronauten kam Matthias Maurer unter die letzten zehn, um dann doch nicht zu einem der sechs neuen Teilnehmer benannt zu werden. Ein paar Jahre später kann er sich jetzt doch auf einen Einsatz im All freuen. Durch die Entscheidung, die Internationale Raumstation ISS mindestens bis 2024 zu betreiben, wurde ein Astronautenjob frei und durch den 46-Jährigen besetzt.

Auch vom Boden aus konnte er in den vergangenen Jahren schon eine Menge Erfahrungen rund um die Raumfahrt sammeln. "Ich wurde als Crew Support eingesetzt, dabei betreut man die Astronauten nicht nur während Start und Landung, sondern unterstützt sie auch bei den ganzen Reisen, Planungen und Trainings im Vorfeld." Außerdem hält er als Eurocom Kontakt zu den Kollegen, die im Columbus-Modul auf der ISS arbeiten und hat beispielsweise den Ablauf von Experimenten im Blick. "So kann ich z.B. schnell darauf hinweisen, wenn bei einem Experimentaufbau etwas falsch läuft. Dabei habe ich eine Menge mitbekommen vom Leben und Arbeiten im Weltraum. Auch einen großen Teil der Astronautentrainings habe ich bereits mitgemacht."

Mehrsprachiges Studium: Herausforderung und Geschenk

Die Grundlagen für seine Tätigkeit als Astronaut legte Matthias Maurer mit dem Studium der Materialwissenschaften. "Eigentlich wollte ich Luft- und Raumfahrt studieren. Aufgrund des Mauerfalls wurde 1990 mein Zivildienst aber recht spontan verkürzt. Die Bewerbungsfristen an den Hochschulen waren schon verstrichen und nur bei wenigen Studiengängen wurden Ausnahmen gemacht – zum Beispiel bei den Materialwissenschaften. Ursprünglich wollte ich dann später noch den Studiengang wechseln, bin aber dann dabei geblieben. Es hat mir einfach gut gefallen."

Eine besondere Herausforderung war für ihn die Internationalität des Studiengangs, den er unter anderem an der Universität des Saarlandes, in England, Frankreich und Spanien absolvierte. "Gleichzeitig war das Studieren auf mehreren Sprachen auch ein großes Geschenk." Das ihm heute einen starken Vorteil verschafft, denn in der internationalen Raumfahrtbranche sind Fremdsprachen natürlich schwer gefragt. "Momentan lerne ich noch Russisch und Chinesisch. So halte ich mir die Chance zu verschiedenen Missionen offen und könnte beispielsweise auch zu der chinesischen Raumstation aufbrechen, die ab 2018 gebaut und ab 2022 einsatzbereit sein wird. Auf der ISS werden Englisch und Russisch gesprochen." Daher lautet auch sein Tipp für an Raumfahrt interessierte Schüler: "Lernt Sprachen!"

Mond und Mars

Seine Traummission wäre eine Landung auf dem Mond. "Die Erforschung des Mondes kann uns viele Fragen rund um die Entstehung von Planetensystemen verraten. Radioteleskope könnten vom Mond aus Fragen zur frühen Phase des Kosmos kurz nach dem Urknall beantworten, die Erdatmosphäre macht dies auf der Erde unmöglich. Besonders interessant finde ich eine solche Mission im Hinblick auf die spätere Erforschung des Mars, da wir in einer Mondstation die erforderlichen Technologien für den Mars auf Herz- und Nieren prüfen können." Eine Reise zum Mond kann gewissermaßen als Testlauf für bemannte Missionen zum Roten Planeten gesehen werden. "Der Mars ist so weit entfernt, dass nichts schief gehen darf, wenn man sich dort selbst mit Energie, Wasser und Treibstoff versorgen will. Auf dem Mond kann man die dafür notwendigen Technologien erproben, aber jederzeit in zwei Tagen zurück auf der sicheren Erde sein, falls die Technik der Station doch mal versagt."

Egal, wo es hingeht – bis es soweit ist, trainiert Matthias Maurer weiterhin für den Start ins All. So simulierte er beispielsweise Weltraumspaziergänge in Köln in einem zehn Meter tiefen Tauchbecken oder übte das Navigieren ohne technische Unterstützung im Planetarium Bochum rein anhand von Sternbildern. Irgendwann in den nächsten Jahren wird sein Wunsch vom Flug ins All in Erfüllung gehen. Was empfiehlt er Schülern mit ähnlichen Ambitionen? "Ich kann jedem nur raten, zu träumen. Außerdem – die interessantesten Jobs in Luft- und Raumfahrt finden am Boden statt. Ohne von Ingenieuren entwickelte Technik hebt niemand ab."

ESA–Sabine Grothues
Matthias Maurer wurde im Februar 2017 als neuer ESA-Astronaut offiziell vorgestellt
ESA
Matthias Maurer im Kurzporträt
ESA–Anneke Le Floc'h
Matthias Maurer mit Samantha Cristoforetti während eines Parabelflugs
NASA
2016 nahm Matthias Maurer an der Exkursion "NEEMO 21" teil, die unter Wasser eine Marsmission simulierte
NASA
Die Crew von "NEEMO 21" unter Wasser
ESA–Philippe Sebirot, 2017
Bei Airbus in Bremen im Februar 2017
Zeiss Planetarium Bochum
Navigation anhand der Sterne im Bochumer Planetarium, die Zeltlucke simuliert den Ausblick von der ISS
ESA
Im Astronautenzentrum in Köln
ESA–Sabine Grothues
Das Astronautenzentrum in Köln ist eine wichtige Station während der Vorbereitungen für zukünftige Missionen
ESA–S. Sechi
Matthias Maurer mit Luca Parmitano und Pedro Duque in der marsähnlichen Landschaft auf Lanzarote