Für Schüler und Studierende Für Pädagogen Für Partner Mein think ING.
Jetzt Registrieren!

ING des Monats

Dezember 2015: Christian Rotsch
Fraunhofer IWU

Medizintechnik-Ingenieur Christian Rotsch

Ideen aus dem OP

In enger Zusammenarbeit mit Medizinern entwickelt Christian Rotsch neue Implantate und optimiert bestehende Technologien beim Fraunhofer IWU. Dafür ist er schon mal bei einer Operation dabei, um die Anforderungen genau nachvollziehen zu können. "Das ist sehr spannend und praxisnah."

Den Anstoß gab ein kaputtes Knie. Christian Rotsch ging noch zur Schule, als es hieß, er benötige in Zukunft vielleicht ein künstliches Kniegelenk. Dafür sei er eigentlich zu jung, man setze so etwas normalerweise erst in einem höheren Alter ein, weil es nicht so lange hält, hieß es. Da begann er, sich zu informieren, das muss sich doch verbessern lassen! Weil ihn immer schon Themen wie Medizin, Biologie und Sport fesselten, suchte er nach entsprechenden Studiengängen und schrieb sich schließlich an der Westsächsischen Hochschule Zwickau für den Diplomstudiengang Physikalische Technik (jetzt Bachelor) ein. "Ich habe schon immer gerne Dinge zusammengeschraubt, Modelle gebaut, etwas Neues entwickelt."

Richtige Entscheidung im Rückblick

Das Grundstudium fand er teilweise etwas theorielastig. "Da habe ich mich schon manchmal gefragt, ob das jetzt wirklich das Richtige für mich ist", erinnert er sich heute. Im Hauptstudium verstand er dafür umso besser, warum die Grundlagen sinnvoll waren. Er spezialisierte sich auf "Biomedizinische Technik" und begeisterte sich zunehmend für die Verbindung aus Ingenieurwissenschaft und Medizin. "Für mich hat das Studium im Rückblick hundertprozentig gepasst."

Nach einer fünfjährigen Zwischenstation in einem gemeinnützigen Textilinstitut kam der heute 35-jährige Diplom-Ingenieur 2009 zum Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Dresden. Dort leitet er heute die Abteilung "Medizintechnik" und steckt in jedes einzelne Projekt viel Herzblut. Geforscht wird in enger Zusammenarbeit mit den Projektpartnern, die ihre Anforderungen klar definieren. "Mediziner haben eher klinische Fragestellungen, für die sie eine Lösung suchen, etwa Probleme bei der Anwendung von Implantaten oder Defizite bei der Versorgung von Krankheiten. Hersteller dagegen wollen Faktoren wie Materialqualität, Kosten oder Funktionsumfang ihrer Implantate verbessern", erklärt Rotsch.

Fragen aus dem medizinischen Alltag

Nach einer Definition der jeweiligen Fragestellungen – "die kommen manchmal frisch aus dem OP" – sammelt das Medizintechnik-Team alle relevanten Informationen und geht dann zur Entwicklung neuer Lösungen auch in das gemeinsame Labor an der Uni-Klinik in Leipzig oder an den Rechner.

Das Wiederherstellen des filigranen, knöchernen Augenhöhlenbodens (Orbitaboden) ist beispielsweise eine große Herausforderung in der Chirurgie. Zersplittert er bei einem Unfall, muss er aufwendig rekonstruiert werden. Mit einem Industriepartner führt das IWU gerade ein neues Verfahren ein, bei dem zunächst die deformierte Gesichtshälfte virtuell in 3D modelliert wird. Auf dieser Datenbasis werden binnen zwei, drei Tagen maßgefertigte Orbita-Implantate produziert – eine weit bessere Lösung als die bisherige Handarbeit im OP.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Medizinern lief natürlich nicht von Anfang an reibungslos. "Schwierig war es am Anfang, eine gemeinsame Sprache zu finden, um sich gegenseitig überhaupt zu verstehen". Wichtig findet er es, direkt und eng mit den Anwendern zusammenzuarbeiten, sich also vor Ort die Probleme anzuhören oder auch mal anzuschauen – auch wenn sich manche Kolleginnen und Kollegen erst an die Operationen gewöhnen müssen. "Wenn man mitten drin und dabei ist, ergeben sich die neuen Ideen fast von selbst."

Wie erholt er sich von diesen vielschichtigen Aufgaben, wo tankt er auf? "Ich habe drei Kinder", lacht Rotsch. "Meine Familie gibt mir Rückhalt und Energie, das ist ein ganz wichtiger Punkt in meinem Leben, den brauche ich." Und das Kniegelenk? Hier haben sich die Ärzte zum Glück bisher geirrt – es hält noch immer.

Carsten Oberhagemann
Christian Rotsch entwickelt am Fraunhofer IWU in Dresden neue Implantate
Carsten Oberhagemann
Die Implantate ...
Carsten Oberhagemann
... werden mithilfe einer Laserstrahlschmelzanlage ...
Carsten Oberhagemann
... passgenau an ...
Carsten Oberhagemann
... an die menschlichen Körperstrukturen ...
Carsten Oberhagemann
... angepasst.
think ING.
Christian Rotsch im Joprofil
Carsten Oberhagemann
Am Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik kann Christian Rotsch auf die Zusammenarbeit mit Ingenieuren anderer Bereiche, wie hier der Werkstoffingenieurin Romy Petters, ...
Carsten Oberhagemann
und die Fertigungstechnologien des Hauses, wie die generative Fertigung, die Zerspanungstechnik ...
Carsten Oberhagemann
... oder die Massivumformung, zurückgreifen.
Carsten Oberhagemann
In enger Zusammenarbeit mit den Medizinern des Universitäts-Klinikums Leipzig, hier im Gespräch mit Herrn PD Dr. med. habil. Torsten Prietzel, werden ...
Carsten Oberhagemann
... neue Ideen für die Optimierung bestehender Implantat-Technologien entwickelt.
Carsten Oberhagemann
Christian Rotsch im Biomechaniklabor ...
Carsten Oberhagemann
... mit dem Diplomand Felix Flügel.