Für Schüler und Studierende Für Pädagogen Für Partner Mein think ING.
Jetzt Registrieren!
Literatur

Max Frisch: Homo Faber

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch stellt zwei Weltansichten anschaulich gegenüber: zu Beginn des Romans betrachtet der Maschinenbauingenieur Walter Faber die Welt noch durch die technische Brille. Er, der für eine internationale Firma Turbinen in Staudämme einbaut, hat ein naturwissenschaftlich-rationales Denken. Er denkt in mathematischen Formeln und technischen Fakten. Er hält die Welt für berechenbar und vorhersehbar.

Im Laufe der vier Monate andauernden Ich-Erzählung in Form eines Berichts erkennt er immer stärker, dass dieser Blickwinkel nicht ausreicht für die komplette Erfassung der Wirklichkeit. Nach vielen Reisen und zwischenmenschlichen Verstrickungen muss er feststellen, dass eine technische Sicht die Welt nur unzulänglich erfasst.

Während einer Atlantiküberquerung per Schiff von den USA mit Wohnsitz New York nach Europa lernt der 50-jährige Faber die weitaus jüngere Elisabeth, etwa 20 Jahre alt und von ihm nur Sabeth genannt, kennen und lieben. Die Liebesbeziehung entwickelt sich in Paris fort und findet schließlich in Avignon ihren vorläufigen Höhepunkt, als der Ingenieur seinen Gefühlen während einer Mondfinsternis freien Lauf lässt und mit ihr schläft.

Eine fatale Tat. Denn erst später erfährt Faber, dass Sabeth seine eigene Tochter ist. Hanna, seine ehemals schwangere Geliebte, hatte entgegen der Absprache, das Kind abtreiben zu lassen, Elisabeth zur Welt gebracht und es vor Faber verheimlicht. Bis zum überraschenden Wiedersehen in Athen, als Faber die durch einen Unfall bewusstlose und dem Tod nahe Sabeth zu ihrer Mutter bringt.

Eine Begegnung, die Faber veranlasst, seine Weltanschauung grundlegend zu überdenken. Er kehrt noch einmal in die „neue Welt“ zurück, um dort seine Zelte abzubrechen. Er kündigt seinen Job als Ingenieur und seine Wohnung in New York. Mit dem Plan, Hanna nun doch zu heiraten, soll sein neuer Lebensmittelpunkt nun in Europa liegen. Doch auf der letzten großen Reise wird der trauernde Vater, dessen Magenleiden später als Magenkrebs diagnostiziert wird, letztlich zurück in Athen selbst mit dem Tod konfrontiert. Ende offen.

Der 1957 erschienene Roman von Max Frisch wurde 1991 von Volker Schlöndorff verfilmt. In den Hauptrollen sind Sam Shepard (Walter Faber), Julie Delpy (Sabeth) und Barbara Sukowa (Hanna) zu sehen.

Interessierte Netzwerker:

Herausgeber

Suhrkamp-Verlag

Partner im Netzwerk