Clara hat Bauingenieurwesen studiert und arbeitet mittlerweile als Bauleiterin. Laura studierte Wirtschaftsingenieurwesen und hängt gerade noch einen Master in Energietechnik dran. „Wir waren Mitbewohnerinnen“, berichtet Laura, „und dann hat Clara mich einfach mal zu den Ingenieuren ohne Grenzen mitgenommen.“ Der Einstieg war niedrigschwellig, geblieben sind beide aus Überzeugung.
Ingenieure ohne Grenzen e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die zusammen mit lokalen Partnern im Globalen Süden technische Hilfe leistet: Aufbau einer Grundversorgung mit Wasser, Energie, Sanitäranlagen sowie der Auf- und Ausbau von Bildungseinrichtungen. Zusätzlich gibt es auch Projekte in Deutschland, etwa im Bereich MINT-Bildung, Integration und Globales Lernen.
Clara arbeitet aktuell an einem Projekt in Uganda. „Dort leben Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung in einem stark sanierungsbedürftigen Gebäude aus den 1940er Jahren. Unser Ziel ist es, neue Schlaf- und Wohnbereiche mit barrierefreien Sanitäranlagen zu bauen und gleichzeitig vor Ort für die Themen Barrierefreiheit und Inklusion zu sensibilisieren.“
Laura arbeitet an einem Projekt direkt vor der Haustür in Münster. „Wir haben festgestellt, dass es viele Lernangebote für Schüler*innen und Studierende gibt, aber kaum welche für Auszubildende. Diese Lücke wollten wir füllen", sagt sie. Der Lerntreff für Auszubildende ist dabei deutlich technischer als normale Nachhilfe und orientiert sich konkret am Stoff der Berufsschulen.
„Ja, auf jeden Fall!“, betonen die beiden. „Es ist ein Ehrenamt und soll ja auch Spaß machen. Man macht so viel, wie man kann und möchte.“ Clara trifft sich einmal in der Woche mit ihrem Projektteam und investiert etwa 5 bis 10 Stunden pro Woche, Laura 2 bis 3 Stunden.
Die Arbeit für Auslandsprojekte findet zudem größtenteils von Deutschland aus statt. „Die ganze Planungsleistung, Projektkoordination, Fundraising – das passiert alles hier. Beim Bau setzen wir auf lokale Firmen, um auch wirtschaftliche Vorteile vor Ort zu generieren", betont Clara. „Technische Planung ist eigentlich überall gleich, aber die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Bauvorschriften und die Materialien, sind anders. Deshalb ist es so wichtig, offen zu sein und mit den Menschen vor Ort auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten."
„All die unterschiedlichen Leute, die man kennenlernt und das Netzwerk, das man bei Ingenieuren ohne Grenzen aufbaut, sind echt viel wert!“
„Euer Engagement ist so wertvoll für uns. Traut euch, macht mit!“
„In einem total diversen Team auf ein Ziel hinzuarbeiten und der Austausch untereinander“, antwortet Clara. „Von Studierenden bis Rentner*innen, alle Fachrichtungen im Ingenieurwesen und auch Nicht-Ingenieur*innen arbeiten bei uns mit und sind willkommen.“ Laura gefällt zudem die Abwechslung vom Alltag: „Sich neuen Herausforderungen stellen, den Horizont erweitern, das finde ich super.“
Ihr Rat an alle, die sich vorstellen können, bei Ingenieure ohne Grenzen mitzuarbeiten? „Offen sein für Neues, einfach mal reinschnuppern und sich was zutrauen", sagt Laura. „Ist ganz egal, wie viel Vorkenntnisse man mitbringt - jede und jeder, der mitmachen möchte, kann etwas beitragen und lernt viel Neues auf dem Weg.“