Fußball gehört seit jeher zu Florians großen Leidenschaften. Deshalb wollte er ursprünglich Sportmedizin studieren. Doch sein guter Abiturschnitt reichte zunächst nicht. Also begann er an der Universität Gießen mit der Lebensmittelchemie. Mathematik und Chemie hatten ihm schon in der Schule besonders gelegen – es waren auch seine Abi-Fächer. Was zunächst als akademische Übergangslösung gedacht war, entwickelte sich zunehmend zur echten Leidenschaft. Und als schließlich doch noch die Zusage für seinen medizinischen Wunschstudiengang kam, entschied sich Florian bewusst dagegen. Er blieb bei der Lebensmittelchemie und machte seinen Master.
Die naturwissenschaftlichen Grundlagen seines Studiums kann er auch bei E6 als Chemie-Ingenieur nutzen. Das zusätzliche technische Wissen hat er sich vor allem in der Praxis angeeignet. Schließlich geht es bei seiner Arbeit nicht mehr um die Wurst, sondern um die extreme Härte.
„Dort passiert die Magie im Hartmetallwerk.“
Element Six produziert besonders harte Metalle. Die Sechs im Namen steht dagegen für das sechste Element im Periodensystem – den Kohlenstoff. Der Grundbaustein jedes Diamanten und ein gleichsam elementares Material von E6. In Burghaun stellt E6 aber vor allem Hartmetall her. Dafür mischt man pulverförmiges Wolframkarbid mit Metallen wie Kobalt oder Nickel. Die Mischung wird in Form gepresst und anschließend in speziellen Öfen bei Temperaturen von bis zu rund 1.500 Grad Celsius erhitzt. Dabei verbinden sich die harten Wolframkarbid-Körner mithilfe des metallischen Bindemittels zu einem festen, besonders widerstandsfähigen Werkstück. Diesen Vorgang nennt man Sintern. „Dort passiert die Magie im Hartmetallwerk“, sagt Florian. Das fertige Material ist dann so widerstandsfähig, dass es nur noch mit diamantbesetzten Schleifscheiben bearbeitet werden kann.
Die Einsatzmöglichkeiten dieses Supermaterials sind dann vielfältig: Straßenfräsmeißel tragen Asphalt ab, Bohrwerkzeuge arbeiten sich tief durch Gestein und im Bergbau müssen die Materialien enormen Belastungen standhalten. Selbst in der Medizintechnik und bei der Stahlverarbeitung kommt Hartmetall zum Einsatz. Auf dem Acker bieten die besonders widerstandsfähigen Werkstoffe sogar einen mächtigen Vorteil für die Umwelt: Während gewöhnliche Stahlwerkzeuge vergleichsweise schnell verschleißen und Metallabrieb im Boden hinterlassen, hält Hartmetall deutlich länger. Im wahren Wortsinne ein kleiner, aber elementarer Unterschied.
Schon 2014 kam Florian erstmals als Ferienjobber zu E6. Später arbeitete er während seines Studiums in verschiedenen Abteilungen. Ein Produktionsleiter erkannte sein Potenzial und ermutigte ihn, nach dem Abschluss im Unternehmen anzufangen. 2021 startete Florian als Laborant, Ende 2022 übernahm er die Leitung des Labors. Inzwischen verantwortet er zusätzlich die Sinterei und führt rund 20 Beschäftigte.
Und was macht Florian den ganzen Tag? Florian plant Schichten, koordiniert Aufträge und verbessert Fertigungsprozesse. Besonders spannend wird es, wenn ein Kunde ein völlig neues Bauteil benötigt. Welche Materialmischung eignet sich? Welche Temperaturen braucht sie? Und lässt sich das gewünschte Werkstück überhaupt herstellen? Genau hier kommt der Chemie-Ingenieur zum Tragen
Eine Sache hat Florian an seinem Beruf besonders überrascht: „Ich hätte früher nie gedacht, dass ein Chemieberuf auch so viel Interaktion mit Menschen zu tun hat.“ Er stimmt sich mit Kolleg*innen ab, diskutiert technische Lösungen und erklärt komplexe Zusammenhänge. Dabei kommt ihm seine offene Art zugute, die er auch auf dem Fußballplatz pflegt. Für Florian zählen deshalb neben naturwissenschaftlichem Interesse vor allem Neugier, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Neues zu lernen. Sein beruflicher Weg zeigt, wie viele Möglichkeiten ein Chemiestudium eröffnet. Statt Sportmedizin und Lebensmittelanalysen bestimmen heute industrielle Werkstoffe seinen Arbeitsalltag. Und genau diese Mischung aus Chemie, Technik und Verantwortung begeistert ihn.