Der Ruf von Mathematik ist nicht sonderlich gut. Viele kommen damit in der Schule schlecht zurecht und behaupten dann ein Leben lang: Mathe ist kompliziert, Mathe ist langweilig, Mathe braucht man nicht. Judith findet das schade – und steuert gegen. Trifft sie auf Mathekritiker*innen, erklärt sie, was man alles mit Mathe machen kann. Zum Beispiel: die Ökologie voranbringen. Denn nicht nur Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen arbeiten mit Zahlen, auch in vielen anderen Bereichen ist man auf kluge Berechnungen angewiesen.
„Bringt ein Bauer Pestizide auf einem Feld aus, können wir berechnen, wie viel davon in der Umwelt ankommt.“
Klar, dass Judith ein echtes Faible für Mathe hat, schließlich hat sie vor knapp drei Jahren mit der Traumnote 1,0 darin promoviert. Und das, obwohl sie in der fünften Klasse tatsächlich mal eine sechs in dem Fach hatte. Was sie an der Mathematik so mag? „Die Eindeutigkeit. Bei Mathe ist es einfach so, wie es ist. Es gibt ein eindeutiges Richtig oder Falsch. Ich finde das charmant.“ Das Puzzeln, das Lösen von Problemen: All das macht ihr Spaß. Das Studium der Wirtschaftsmathematik an der Universität Duisburg-Essen empfand sie als ziemlich fordernd: „In den ersten Semestern wird unglaublich ausgesiebt.“ Trotzdem hat sie es durchgezogen und gleich noch Master und Promotion drangehängt. Denn nach der harten Anfangszeit begann die schönste Phase des Studiums: Die Zeit, in der sie sich ihre Projekte selbst aussuchen konnte. Der enge Kontakt zu den Professor*innen und die Lern- und Diskussionsforen haben ihr dabei besonders gut gefallen.
Inzwischen setzt sie ihre Mathekenntnisse im Umweltschutz ein und arbeitet am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME in Schmallenberg in der Abteilung Ökotoxikologie. Ihr Steckenpferd ist die Effekt- und Expositionsmodellierung. Während ihre Kolleg*innen im Labor forschen und experimentieren, liefert sie Rechnungen, die für den Umweltschutz von großer Bedeutung sind. Denn auf ihren Zahlen kann man zuverlässige Risikoeinschätzungen aufbauen. „Bringt ein Bauer Pestizide auf einem Feld aus, können wir berechnen, wie viel davon in der Umwelt ankommt“, erklärt Judith. Ihren Forschungsgegenstand findet Judith immer wieder aufs Neue faszinierend. Dabei stößt sie auch auf einige unangenehme Wahrheiten. Dass in Europa viele Schadstoffe ab einer bestimmten Obergrenze zu Recht verboten, im Ausland aber erlaubt sind, findet sie äußerst problematisch. „Die Erde ist doch ein Kreislauf und alles miteinander verbunden!“
„Der Studiengang selbst ist nicht so wichtig. Ich habe Mathe studiert, hätte am Fraunhofer-Institut IME aber auch mit Biologie, Chemie oder Wassermanagement landen können. Entscheidend ist es, sein Studium durchzuziehen. Oder, wenn es gar nicht passt, einfach frühzeitig abzubrechen und sich etwas spannendes Neues zu suchen."