Das Studium Rettungsingenieurwesen an der TH Köln war nicht Luis erste Wahl. Nach dem Abitur war sein Plan, Medizin zu studieren. Statt direkt mit dem Studium zu beginnen, entschied er sich zuerst für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst. So sammelte er erste Erfahrungen im Umgang mit Patient*innen und bei der medizinischen Behandlung. „Das Problem war nur, dass ich gemerkt habe, dass ich nach der Patient*innenübergabe immer froh war, aus dem Krankenhaus wieder herauszukommen. Als Arzt ist das ja eher schlecht“, witzelt Luis. Also änderte er sein Vorhaben, Medizin zu studieren und überlegte, was er stattdessen machen könnte.
Neben Medizin interessierte er sich noch für Maschinenbau, wollte aber gerne im Bereich „Blaulicht“ bleiben. Nach einiger Recherchearbeit entdeckte er das Studium Rettungsingenieurwesen, das nur an zwei deutschen Hochschulen angeboten wird. „Durch das Modulhandbuch habe ich gesehen, dass Rettungsingenieurwesen im ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudium eine hohe Übereinstimmung mit Maschinenbau hat, aber eben auch auf Rettung ausgelegt ist. Ich dachte: Das passt wie die Faust aufs Auge – das mache ich.“
„Das passt wie die Faust aufs Auge“
Luis hat sich im Modulhandbuch genau über die Inhalte des Studiengangs informiert. Das empfiehlt er grundsätzlich, denn so weiß man, was auf einen zukommt und wird nicht unangenehm überrascht: „Mir war zum Glück sehr bewusst, dass vom ersten bis zum dritten Semester das Grundstudium der Ingenieurwissenschaften auf mich zukommt.“ Anspruchsvoll waren die Grundlagenmodule trotzdem, erinnert er sich: „Anfangs ist es wirklich hart. Man lernt zum Beispiel Strömungstechnik, Technische Mechanik, Physik, Chemie, Wärmeübertragung und Thermodynamik. In den Modulen sitzen die Studierenden des Rettungsingenieurwesens mit denen aus dem Maschinenbau zusammen. Es ist zwar viel Inhalt, aber wichtig zu lernen, denn es kommt alles spätestens ab dem vierten Semester im Vertiefungsstudium wieder.
Der Studienplan bietet zwei verschiedene Vertiefungsoptionen an: Rettungsingenieur*in oder Brandschutzingenieur*in. Beide Vertiefungen behandeln jeweils zwei Schwerpunkte: die vorbeugenden Maßnahmen, wozu beispielsweise Krisenmanagement oder Sicherheitskonzepte gehören und die operativen Maßnahmen, die zum Beispiel die Verbesserung der Einsatzorganisation oder die Forschung im Bereich Biomedizin einschließen. Die Vertiefungsmodule beinhalten außerdem Seminare in den Bereichen Projektmanagement, juristische Grundlagen und Wirtschaft und Finanzen.
Luis hat sich für den Rettungsingenieur entschieden. Rettung ist ein breit gefasster Begriff, wie er erklärt: „Menschen rettet man nicht nur durch medizinische Behandlung. Im Studium beschäftigen wir uns viel damit, Gefahren und Schwachstellen eines Systems zu senken und die Widerstandsfähigkeit zu steigern. So wird das System im Ganzen verbessert. Ein konkretes Beispiel eines Systems ist eine kritische Infrastruktur, wie zum Beispiel eine Tankstelle, die wegen klimawandelbedingtem Niedrigwasser nicht von Kraftstofftankern beliefert werden kann. Die Folge ist ein Kraftstoffmangel, der viele Konsequenzen für die Menschen haben kann. Im Studium überlegen wir dann, wie man dieser Situation einen Schritt voraus sein kann."
Die anwendungsbezogenen Beispiele machen es den Studierenden leicht, die in den ersten Semestern erlernten Grundlagen einzusetzen und die Praktiken für den späteren Berufsalltag zu üben. Besonders begeistert ist Luis von der engen Zusammenarbeit mit den Dozierenden und der Freiheit, eigenen Themen nachzugehen: „Man kann sich thematisch in jede Richtung entwickeln, in die man möchte. Wenn du über das Ziel hinausschießt, holen die Dozierenden dich zurück und überlegen mit dir gemeinsam, wie ein Thema oder eine Idee am besten umzusetzen ist.“ Ein weiterer Vorteil sind die vielen möglichen Berufe: Als Rettungsingenieur*in kann man als Einsatzleitung im gehobenen Dienst arbeiten, im Risiko- und Krisenmanagement, in Ingenieurbüros, in Behörden, als Sicherheitsbeautragte*r in der Industrie und vieles mehr.
„Man kann sich thematisch in jede Richtung entwickeln, in die man möchte“
Luis ist mittlerweile dabei, seine Doktorarbeit zu schreiben und kann daher einige Tipps fürs Studium geben: „Man sollte sich von den Ingenieurinhalten nicht abschrecken lassen. Wer eine gewisse Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik hat, sich für Systeme, Schutz, Sicherheit und für alles interessiert, das den Menschen rettet oder schützt, für den oder die könnte das Studium wirklich was sein. Durch die kleinen Arbeitsgruppen und den engen Austausch ist Offenheit und Eigeninitiative wichtig - sonst verpasst man noch wichtige Altklausuren in den WhatsApp-Gruppen“, lacht er.