Island liegt auf zwei riesigen tektonischen Platten. Vulkane, heiße Quellen und Geysire prägen die Landschaft. Die Isländer*innen nutzen diese geologischen Besonderheiten: In Geothermalkraftwerken wird heißes Wasser oder Dampf aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt, treibt dort Turbinen an und erzeugt so Strom. Praktisch die gesamte Elektrizität des Landes stammt aus Geothermal- oder Wasserkraftwerken. Außerdem sind etwa 90 % der isländischen Haushalte direkt an ein geothermisches Fernwärmenetz angeschlossen – eine Infrastrukturleistung, die Jahrzehnte Planung erforderte.
Albanien ist neben Island das einzige europäische Land, das seinen Strom nahezu vollständig aus erneuerbaren Quellen gewinnt. Rund 70 % der Landesfläche bestehen aus Gebirgen, die von Flüssen durchzogen sind. So bezieht das Land 99 % seiner Energie aus Wasserkraft. Dieser umweltfreundliche Ansatz zeigt in Zeiten von Dürren und Extremwetter jedoch auch, wie wichtig Diversifikation in der Energieversorgung ist. Deshalb erweitert Albanien seine Energieversorgung mittlerweile gezielt um Solarenergie.
Dänemark ist Weltmeister in Sachen Windenergie: Fast 60 % des Stroms kommen aus Windkraftanlagen, viele davon Offshore. Auf dem Meer müssen die Anlagen Salzwasser, Stürmen und enormen Belastungen standhalten – und das bei minimalem Wartungsaufwand, denn jede Reparatur auf hoher See ist teuer. Dänemark hat diese Technologie perfektioniert und exportiert sie mittlerweile weltweit.
China hat weltweit den größten CO₂-Fußabdruck, investiert gleichzeitig aber auch am meisten in erneuerbare Energien. Ein Widerspruch? Ja und nein. China baut einerseits immer noch Kohlekraftwerke, weil die riesige Bevölkerung und die wachsende Wirtschaft enorme Energiemengen brauchen. Andererseits schreitet der Ausbau von Solarenergie rasant voran. So wird beispielsweise in der Kubuqi-Wüste gerade das größte Solarkraftwerk der Welt gebaut – 400 km lang und durchschnittlich 5 km breit.
Marokko verfolgt das Ziel der Energieunabhängigkeit und setzt dabei neben Windenergie und Photovoltaik auch auf eine besondere Technologie: die Solarthermie. In Ouarzazate, mitten in der Wüste, befindet sich eines der größten Sonnenwärmekraftwerke der Welt. Riesige Spiegelfelder, die dem Lauf der Sonne automatisch folgen, bündeln das Sonnenlicht auf ein Rohr, in dem ein spezielles Öl- oder Salzgemisch fließt und sich auf mehrere hundert Grad erhitzt. Diese Wärme wird genutzt, um Wasser in Dampf zu verwandeln, der eine Turbine antreibt und so Strom erzeugt. Das Kraftwerk kann die heiße Flüssigkeit außerdem in großen Tanks speichern. Deshalb liefert es auch noch Strom, wenn die Sonne längst untergegangen ist.
Brasilien ist Weltmarktführer bei Bioethanol aus Zuckerrohr. Fast 90 % der Neuwagen sind Flex-Fuel-Fahrzeuge, diese können wahlweise mit Benzin, Bioethanol oder einer beliebigen Mischung aus beidem fahren. Zudem ist das Land ein Energieriese mit über 80 % erneuerbarem Strom, vor allem aus Wasserkraft. Der Itaipu-Staudamm an der Grenze zu Paraguay zählt zu den größten der Welt und deckt rund 20 % des brasilianischen sowie den gesamten paraguayischen Strombedarf. Wegen massiver Eingriffe in Natur und der Umsiedlung von etwa 40.000 Menschen ist das Projekt jedoch nicht unumstritten. Das zeigt, dass Projekte dieser Art auch erhebliche soziale und ökologische Kosten verursachen können und sorgfältig abgewogen werden sollten.