Ich merkte schon in der Ausbildung zur Landwirtin, dass Trecker und Landmaschinen richtig cool sind. Weil ich noch mehr lernen wollte, machte ich nach der Ausbildung meine Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg nach und fing an, Agrarwissenschaften zu studieren. Das kam mir aber zu einseitig vor. So gern ich die Landwirtschaft mag: Wirklich auf einem Hof zu arbeiten, das kommt für mich nicht in Frage. Außerdem hatte das Studium einfach zu wenig mit Menschen zu tun. Deshalb begann ich, Soziale Arbeit zu studieren. Das passte aber noch weniger. Um erst einmal Geld zu verdienen, ging ich in einen Landmaschinenhandel und arbeitete dort zwei Jahre – für mich der perfekte Job, ich hatte richtig Spaß daran!
Es war klar, dass ich noch eine Weiterbildung brauche. Denn ohne kaufmännische Ausbildung gilt man im Büro oder im Vertrieb als ungelernt, und das wollte ich nicht. Ich schaute mich also noch einmal um und kam auf den Bachelorstudiengang Precision Farming an der Technischen Hochschule Ostwestfalen am Standort Höxter, der damals gerade neu war. Ich bin sehr technikaffin und finde Computer spannend. Auch im Landmaschinenhandel hatte ich schon relativ viel im Support mitgearbeitet und unsere Kund*innen beispielsweise zu Bedienterminals von Düngerstreuern beraten. Der Studiengang passte also gut zu meinen Interessen.
Es gibt drei Schwerpunkte: Wir erlernen landwirtschaftliche Grundlagen. Aber es geht auch um Maschinen, und – was ich richtig gut finde – um Informatik und Datenauswertung. Auf der agrarischen Seite schauen wir, wie wir Daten erfassen und auf der informatischen Seite überlegen wir, wie wir sie auswerten können. Wir lernen auch programmieren, zumindest in Grundzügen. Dann ist man in der Lage, ein Programm zu schreiben, um sich Dinge zu erleichtern. Das ist die Idee des Studiums: Vermittler*innen zwischen Informatik und Landwirtschaft auszubilden. Jemand, der sich mit allen verständigen kann und von allem ein bisschen Ahnung hat. Ich hätte vor dem Studium nicht gedacht, dass mich das so interessiert!
„"Das ist die Idee des Studiums: Vermittler*innen zwischen Informatik und Landwirtschaft auszubilden." “
Düngung ist ein großes Thema, Pflanzenschutz ebenso. Wir erstellen Modelle, die uns zeigen, wie sich bestimmte Faktoren, etwa das Wetter, auf das Wachstum auswirken. Es ist sehr interessant zu schauen, wie sich Pflanzen unter bestimmten Bedingungen entwickeln. Muss ich eine Pflanzenschutzmaßnahme vornehmen? Reicht eine niedrigere Dosierung? Oder kann ich sie ganz weglassen? Nachhaltige Landwirtschaft und Einsparpotenziale sind große Themen. Wenn zum Beispiel zu wenig Wasser im Boden ist und die Pflanze ohnehin abstirbt, dann brauche ich auch nicht zu düngen. So verhindere ich, dass Nitrat ausgewaschen wird.
Von meinen Kommiliton*innen gehen viele zurück in die Landwirtschaft. Aber auch die Landwirtschaftskammer oder Beratungsbetriebe brauchen immer mehr Leute mit Know-how in den Bereichen Digitalisierung und neue Technologien. Da finden sie bei uns die Richtigen. Wir haben zwar nicht alles bis ins Detail gelernt, aber wir können uns auf vieles einen Reim machen und haben eine Affinität zu solchen Themen. Für mich kann ich mir vorstellen, dass ich entweder im Landmaschinenhandel im Support und Vertrieb arbeite oder dass ich bei einem Landmaschinenhersteller in der Entwicklung tätig bin.