Damit es nicht direkt zerbricht, wenn es mal herunterfällt, wird es chemisch gehärtet. Dafür wird das Glas in ein etwa 400 °C heißes Bad aus geschmolzenem Kaliumsalz getaucht. Dabei werden kleinere Natriumionen an der Glasoberfläche durch größere Kaliumionen ersetzt. Weil die größeren Kaliumionen mehr Platz benötigen, entsteht auf der Oberfläche eine starke Druckspannung. Sie macht das Glas widerstandsfähiger und erschwert es Rissen, sich auszubreiten. Diese Art von Spezialglas kommt z. B. auch in Autos, Industrieanlagen oder Flugzeugcockpits zum Einsatz – überall dort, wo es besonders bruchsicher, kratzfest und widerstandsfähig sein muss.
Das Glas schützt nicht nur vor Kratzern und Brüchen, sondern ist gleichzeitig Teil des Touchscreens. Darunter sitzen hauchdünne, transparente leitfähige Schichten, die erkennen, wo du den Bildschirm berührst. Dafür kommen spezielle Materialien wie Indiumzinnoxid zum Einsatz. Das Material leitet Strom, lässt aber gleichzeitig Licht durch. Berührst du den Bildschirm, veränderst du das elektrische Feld an dieser Stelle. Sensoren erfassen diese Veränderung und geben die Information an den Prozessor weiter. So wird aus einer Berührung ein Befehl.
An ein Smartphone-Gehäuse werden viele Anforderungen gestellt. Deshalb kommen Materialien wie Aluminiumlegierungen oder verschiedene Kunststoffe zum Einsatz. Ihre Eigenschaften lassen sich durch die Zusammensetzung gezielt beeinflussen. Schon kleine Veränderungen bei den Bestandteilen einer Legierung (z. B. Magnesium oder Silizium bei Aluminiumlegierungen) können dafür sorgen, dass ein Metall leichter, härter oder widerstandsfähiger wird. Genau darum geht es auch in der Materialentwicklung für die Industrie: Ingenieur*innen im Bereich Chemie und Werkstoffkunde suchen nach Materialien, die für eine bestimmte Anwendung die richtigen Eigenschaften mitbringen. Im Fahrzeugbau sind etwa leichte und gleichzeitig stabile Werkstoffe gefragt, die helfen, Gewicht und damit Energie einzusparen.
Zusammengehalten wird dein Smartphone an vielen Stellen von speziellen Klebstoffen. Bei diesen handelt es sich um richtige Hightech-Werkstoffe: Sie müssen je nach Einsatz dauerhaft halten, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen aushalten, elektrische Bauteile isolieren, Vibrationen dämpfen oder Wärme ableiten. Genau solche Anforderungen gibt es auch in der M+E-Industrie – etwa beim Verkleben von Batteriezellen und Sensoren im Auto, bei der Montage von Elektromotoren oder beim Abdichten von Gehäusen in Maschinen.
Beim Laden deines Smartphone-Akkus wandern Lithium-Ionen von einer Elektrode zur anderen und lagern sich dort ein. Beim Entladen machen sie sich auf den Rückweg und genau dabei entsteht der Strom, der dein Smartphone versorgt. Klingt einfach, ist aber ein Balanceakt für Entwickler*innen: Für die positive Elektrode (Kathode) gibt es mehrere Materialkombinationen, jede mit eigenem Kompromiss. Mehr Nickel bringt mehr Energie, aber mehr Risiko bei Hitze. Mehr Eisen (LFP) bringt Sicherheit und Langlebigkeit, aber weniger Reichweite. Cobalt verbessert die Leistung, ist aber teuer und umstritten im Abbau. Aufgabe von Ingenieur*innen ist es also auch, den richtigen Kompromiss für den Einsatzzweck zu finden und neue Elektrodenmaterialien, Elektrolyte und Produktionsverfahren zu entwickeln. Das spielt längst nicht nur im Smartphone eine Rolle: Auch für Elektroautos, E-Bikes, stationäre Batteriespeicher und vieles mehr werden leistungsfähige und sichere Akkus gebraucht. Wer hier forscht, bewegt sich an der Schnittstelle von Chemie, Materialwissenschaft und Elektrotechnik und arbeitet an einer der zentralen Fragen der Energiewende.
Im Herzen deines Smartphones steckt ein Chip auf Basis von Silizium. Das Ausgangsmaterial findet sich zum Beispiel in Quarz und Sand. Bevor daraus ein Chip werden kann, muss das Silizium extrem stark gereinigt werden. Der Trick liegt in der sogenannten Dotierung: Winzige Mengen anderer Elemente werden gezielt ins Silizium eingebracht und verändern so, wie gut es Strom leitet. Auf diese Weise entstehen Milliarden winziger Transistoren (Schalter) auf einer Fläche kleiner als dein Fingernagel. Jeder Transistor kann Strom durchlassen oder blockieren und steht damit für eine 0 oder eine 1. Chemie steckt dabei nicht nur im Material, sondern auch in der Herstellung: Mit lichtempfindlichen Beschichtungen, chemischen Ätzverfahren und hauchdünnen Materialschichten werden die Strukturen des Chips Schritt für Schritt aufgebaut. Prozessoren stecken dabei in fast jedem elektronischen Gerät – von der Waschmaschine bis zum Supercomputer.