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Mobilität

Viel Power auf der Baustelle

Als Bauingenieurin bei der Deutschen Bahn ist Kimia Radmard auf den Baustellen oft die einzige Frau und packt dabei richtig mit an.

Abwechslungs- und actionreich

Auf der Baustelle sticht zwischen den ganzen orangenen Jacken eine junge Frau mit Pferdeschwanz und weißem Schal heraus: Dahinter steckt Kimia Radmard, der es nichts ausmacht, häufig die einzige Frau am Bau zu sein. Die 31-Jährige arbeitet seit fast zwei Jahren als Bauingenieurin bei der Deutschen Bahn in Berlin, und zwar in der regionalen Instandsetzung. Sie überzeugt mit Köpfchen und einer immer helfenden Hand.

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Jede Schraube muss sitzen

Zuletzt war Radmard bei Arbeiten an einer über 100 Jahre alten Bahnbrücke in der Nähe der Universität Potsdam tätig. Neun Monate Vorlaufzeit hatte sie, um für dieses Projekt einen Bauablaufplan zusammenzustellen. "Ein Projekt kann nicht mal eben von heute auf morgen durchgeführt werden. Es ist hauptsächlich meine Aufgabe, zu sagen, was und wen ich brauche, wie wir vorgehen, wie viele Leute wir brauchen. Einige Dinge können wir auch nicht selber machen. Da müssen dann Fremdfirmen kommen, die müssen organisiert werden", erzählt Radmard. Nicht nur das, sie muss auch dafür sorgen, dass jede einzelne Baumaschine und jedes Werkzeug am richtigen Ort ist, wenn die Arbeiten losgehen.

Alles im Blick

Und wenn dann die Bagger und Lkw vorfahren, hat Radmard ein Auge auf alles. "Aber nicht, dass ihr mir den Baum kaputt macht", sagt Radmard mit einem Lächeln, als der Übergangscontainer vom Kran gelassen wird, und ist sich anschließend nicht zu schade, richtig mit anzupacken. Während der zweiwöchigen Sanierungsarbeiten an der alten Bahnbrücke war sie jeden Tag vor Ort. "Das ist eine sogenannte Old Lady, die jetzt saniert und neu gemacht wird. Was sie für Geheimnisse hat, sehen wir oft erst, wenn wir die Brücke angehoben haben." Draußen, auf der Baustelle, hat die starke Ingenieurin die Lage im Griff. "Man muss immer was dabei haben, Werkzeuge ebenso wie Ideen. Beim Neubau wäre das alles etwas einfacher", sagt Radmard, die aber gerade Herausforderungen liebt, die sie immer wieder auf eine Probe stellen: "An dem Beruf fasziniert mich, dass es so ein Riesenbereich ist, mit so einer großen Verantwortung."

"Ich wollte immer bauen"

An der Hafencity-Universität in Hamburg hat sie Bauingenieurswesen studiert, aber eigentlich wollte sie immer Architektin werden. In der Schule hatte sie ein Faible für Naturwissenschaften und Mathematik als Abiturfach, das wiederum waren die idealen Voraussetzungen für das Bauingenieur-Studium. "Ich wollte immer bauen, immer machen und bin dann zum Arbeitsamt hin, um mich über Architektur zu informieren", berichtet Radmad. Dort merkte sie, dass es eigentlich das Bauingenieurswesen war, was sie wirklich interessierte. Und fortan machte sie ihren Weg. Ihren Jobeinstieg fand sie über ein auf Ingenieure ausgerichtetes Traineeprogramm bei der Deutschen Bahn.

Für keine Arbeit zu schade

Dass sie jetzt hauptsächlich mit männlichen Kollegen zusammenarbeitet, macht ihr nichts aus: "Für die Herren ist es manchmal schon eine Herausforderung, dass ich weiblich bin. Es ist ein anderer Tonfall als im Büro. Aber ich packe mit an und das erkennen alle an, dass ich mir für keine Arbeit zu schade bin." Doch auch, wenn sie mit den männlichen Kollegen gut klar kommt, würde sie sich gerne mehr weibliche Unterstützung ins Boot holen: "Ich möchte alle Jungs, aber vor allem alle Mädchen dazu ermutigen, diesen Beruf zu ergreifen, weil er sehr abwechslungsreich ist und sehr actionreich. Es macht einfach Riesenspaß."

Carsten Oberhagemann
Bauingenieurin Kimia Radmard
Carsten Oberhagemann
Die 31-jährige Ingenieurin arbeitet bei der Deutschen Bahn in Berlin in der regionalen Instandsetzung
Carsten Oberhagemann
Junge Frau vor einer „Old Lady“, der über 100 Jahre alten Bahnbrücke, die saniert werden muss
Carsten Oberhagemann
Gute Planung ist alles, um Streckensperrungen und Umleitungen so kurz wie möglich zu halten
Carsten Oberhagemann
Auch auf der Baustelle hat sie Kontakt zum Büro oder organisiert von dort aus die nächsten Arbeitsabläufe
Carsten Oberhagemann
Sie hat auf „ihrer“ Baustelle alles im Blick, ist auch dabei, auch wenn die Schienen durchtrennt werden
Carsten Oberhagemann
Eine Frau unter vielen Männer: Kimia Radmard weiß sich durchzusetzen
Carsten Oberhagemann
Da bleibt wenig Zeit, den schönen Ausblick von der Brücke zu genießen
privat
Lernen für die Abschlussprüfung: Kimia Radmard hat an der Hafencity-Universität Bauingenieurswesen studiert
privat
Sie packt gerne mit an ...
privat
... Kimia Radmard auf einer Baustelle während ihres Studiums