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Städte von morgen

Scanner-Ingenieurin

Sie steht auf einer Bohrinsel im Schwarzen Meer oder scannt ein Stahlwerk in Kasachstan. Ingenieurin Simone Eichhorn ist viel unterwegs.

Ein erfolgreicher Versuch

Als Simone Eichhorn zur Schule ging, gab es etwas, das sie wie die Pest hasste: die Schule. Demotiviert brach sie das Abi während der Vorklausuren ab und strauchelte ins Ungewisse. Nach einem sozialen Jahr absolvierte sie eine Ausbildung als Vermesserin. Und jetzt? „Ich wollte zumindest mal mit einem Studium anfangen, um zu sehen, ob ich es schaffen könnte.“ Ein Versuch, der erfolgreich enden sollte.

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Von der Kirche zum Kulturschock

Vielleicht lag es daran, dass die FH strukturell ihrer Schule zu ähnlich war, gerne studiert hat Eichhorn nie. Dennoch biss sie sich durch und entdeckte im Verlauf ihrer Diplomarbeit erstmalig den 3D-Laserscanner. Gemeinsam mit einem Kommilitonen der Lerngruppe führte sie mit diesem neuen Instrument Genauigkeitsuntersuchungen durch – inklusive der Registrierung und Zusammenbringung von Punktwolken. Ohne es zu wissen, näherte sie sich geradewegs dem, was sie bald um die halbe Welt bringen sollte – und scannte eine Dorfkirche in Bochum-Stiepel. Die Annäherung gelang und mit ihr auch die erfolgreiche Prüfung, aus der sie fortan als diplomierte Vermessungsingenieurin hervorging. Wenn man so will, ist dieser Abschluss eine langersehnte Punktlandung erster Klasse. Mit einem brodelnden Maß an theoretischem Fachwissen und der Scannerfahrung rund um eine Dorfkirche durfte sie wenige Wochen nach dem Abschluss als Jung-Ingenieurin das komplette Werk eines der größten Automobilhersteller der Welt scannen, um anschließend in loser Abfolge Stahlwerke in Serbien und Nigeria, Bohrinseln im schwarzen Meer und Stahlwerke in Kasachstan zu scannen. "Ich habe meinen Urlaub bisher in Dänemark, Frankreich und England verbracht, und da war Kasachstan ein echter Kulturschock der Extraklasse. Alle sprechen Kasachisch und Russisch, niemand spricht englisch. Der Job war wahnsinnig anstrengend und wir mussten lange Tage arbeiten, aber die Arbeit in dem Team dort hat riesig Spaß gemacht."

Permanenter Perspektivwechsel

Nach guten drei Jahren taucht sie bei der PV ANSPERGER mbH als gereifte Ingenieurin ein in die komplexe Welt der Gas- und Wasserwerke, Müllerverbrennungsanlagen, Stromanbieter und scannt die halbe Republik. Also steht sie heute im ruhenden Brennkessel eines Müllheizkraftwerks, scannt den unregelmäßig geformten Schachtverlauf und findet sich wenig später in einem Fernwärmetunnel unter dem Rhein wieder. Die Arbeit könnte abwechslungsreicher nicht sein. Industrie und Architektur wechseln sich ab und führen sie nach Utrecht, um ein Gebäude aus dem 15. Jahrhundert zu scannen. Krumme Balken, eigenwillige Holzkonstruktionen. Ihrem 3D-Auge entgeht nichts, damit hier zukünftig die Filiale eines weltweit operierenden jungen Modelabels einziehen kann. Mit jedem Scanvorgang nimmt das System Millionen Einzelpunkte auf, die – von unterschiedlichen Standorten aus gemessen – zu einer gigantischen Punktwolke heranwachsen. In ihr stecken alle Informationen, die weiterverarbeitet zu detaillierten Bestandsplänen oder 3D-Grafiken führen. Branchenübergreifend kommt diese Vermessungstechnik der Zukunft zum Zuge, und die Einsatzgebiete sind noch lange nicht alle ausgelotet. Das Studium hat Simone Eichhorn den beruflichen Weg geebnet, die Erfahrung erhebt sie zur Spezialistin.

Weitere Infos zu Simone Eichhorn findest du in der kompakt-Ausgabe 11|2014

Michael Bokelmann
Der Arbeitsplatz im Büro
Ansperger mbh
Ein 3D-Laserscanner
Ansperger mbh
Ein Hochofen eines kasachischen Stahlwerks
Ansperger mbh
Punktwolke
Ansperger mbh
Simone Eichhorn im Kraftwerk
Michael Bokelmann
Simone Eichhorn mit Laserscanner
Ansperger mbh
Rohrkeller als Punktwolker