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Mobilität
Wasser und Nahrung

Über Meermenschen und den Schiffbau
Wie verhält sich ein Schiff bei starkem Wellengang und wie muss die Ladung verteilt werden, damit es nicht kentert?

Das sind zwei von unzähligen Fragen, mit denen sich Schiffbauingenieur*innen beschäftigen. Für die Schiffbaustudierende Anna waren die klassischen Ingenieurbereiche zu unspezifisch. Deswegen entschied sie sich für das Masterstudium der Schiffs- und Meerestechnik an der Technischen Universität Berlin. Hier gehen Forschung und Lehre Hand in Hand. Was dabei immer im Vordergrund steht: die enge Verzahnung von Theorie und Praxis.
Schiffs- und Meerestechnik an der Technischen Universität Berlin

Schiffbau- und Meerestechnik
Klein und familiär

Wer hätte das gedacht: Gerade in Deutschlands bunter Hauptstadt Berlin findet sich ein kleiner und eher familiär ausgerichteter Studiengang wieder. In der Schiffs- und Meerestechnik kennt man sich. Studierende und Dozierende stehen in engem Kontakt. Oftmals arbeiten Studierende bereits im Studium an Forschungsprojekten mit, assistieren in den Versuchsanlagen und schreiben praxisorientierte Abschlussarbeiten. „Durch den kleinen Studiengang haben wir die Möglichkeit, eine besonders gute Betreuung der Studierenden zu ermöglichen. Die Stimmung ist sehr familiär“, betont der wissenschaftliche Mitarbeiter Philipp Ruhmöller vom Fachbereich Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme.

Masterstudentin Anna-Sophia Büscher erlebt das enge Verhältnis nicht nur im Studienalltag, sondern auch im fachlichen Austausch: „Ich war letzte Woche auf der Hauptversammlung der Schiffbautechnischen Gesellschaft und habe wieder mal festgestellt, was für eine familiäre Branche der Schiffbau größenbedingt ist. Sowas ist eine super Gelegenheit zum Netzwerken. So tun sich zum Beispiel bei Gesprächen während des Mittagessens einfach nebenher Praktikumsplätze oder Möglichkeiten für Masterarbeiten auf.“


Der Studiengang
Im Überblick

  • Dauer: 4 Semester
  • Abschluss: Master of Science
  • Start: Sommer- und Wintersemester
  • Zulassung: zulassungsfrei
  • Lehrsprache: Deutsch
© EBMS - TU Berlin
Ingenieur*innen bei der Arbeit. Der wissenschaftliche Mitarbeiter und die Studierende testen innovative Energiesysteme für den Schiffbau.

Besonders praxisnah
Besonders der enge Bezug von Praxis und Theorie ist ein Kernpunkt der Schiffs- und Meerestechnik

Dozierende bringen aktuelle Beispiele aus ihren Forschungen mit und die Vorlesungen werden durch praktische Übungen begleitet. Das hat die 23-jährige Anna, die jetzt im zweiten Fachsemester studiert, besonders überzeugt: „Da habe ich den großen Unterschied zum Bachelor gemerkt. Ich kann die Inhalte durch die Anwendung viel besser verstehen und vor allem auch behalten.“ Zusätzlich zu den Übungen in der Universität können die Studierenden ihr theoretisches Wissen in den Versuchsanlagen überprüfen. Diese sind mit unterschiedlichen Ausrüstungen, wie beispielsweise einer Schlepprinne, einem Tiefwassertank oder einem Wellenkanal ausgestattet und verteilen sich in mehreren Berliner Stadtteilen. Ein klassischer Versuch, den alle Studierenden einmal sehen dürfen, ist der Schlepprinnenversuch. Dabei wird ein Schiffsrumpf durch eine 250m lange Schlepprinne gezogen. Daran wird untersucht, wie viel Kraft ein Motor aufbringen muss, um das Schiff vorwärtszutreiben.

Maritime Systeme
Zwei Kernbereiche

Die Inhalte des Studiums teilen sich in zwei Kernbereiche auf: Einmal der Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme und einmal die Dynamik Maritimer Systeme. „Der Entwurfsbereich beschäftigt sich mit dem gesamten Entwicklungsprozess eines Schiffs. Dazu gehören z. B. das System Engineering, die Elektrotechnik und der Maschinenbau. Im Bereich Betrieb lernen die Studierenden den Seeverkehr und internationalen Handelsverkehr besser kennen“, erklärt Ruhmöller.

Bei der Dynamik Maritimer Systeme dreht sich alles um die hydrostatischen Eigenschaften eines Schiffs. Das heißt, die Studierenden lernen zum Beispiel wie viel Widerstand ein Schiff im Wasser erzeugt oder wie es sich bei stärkerem Wellengang wieder von selbst aufrichten kann. Dazu nennt Anna einen klassischen Anwendungsfall: „Für Schiffbauingenieur*innen ist es immer schwierig, wenn auf dem obersten Deck eines Kreuzfahrtschiffes ein Pool gebaut werden soll. Eigentlich verteilt man das Gewicht im Schiff aus Stabilitätsgründen eher so, dass schwere Dinge weiter nach unten geladen werden.“


© EBMS - TU Berlin
In den Versuchseinrichtungen der TU Berlin können die SchiffbauingenieurInnen die Maritime Technik testen
© Wüstenrotstiftung
In den verschiedenen Versuchsanlagen können die Studierenden ihr theoretisches Wissen anwenden. So sieht zum Beispiel der Umlauftank UT2 des VWS-Gebäudes aus.

Schwerpunkt Technik
Welchen Bachelorabschluss braucht man?

Der Fokus im Studium liegt definitiv auf der Technik. Wer sich in den Masterstudiengang einschreiben will, braucht daher einen abgeschlossenen Bachelor mit technischem Hintergrund. „Ich habe im Bachelor Schiffs- und Reedereimanagment an der Hochschule Emden/Leer studiert. Dabei habe ich den Fokus aber auf den technischen und nicht auf den Managementaspekt gelegt. Deswegen war ich mir sicher, dass ich hier im Master angenommen werde“, erinnert sich Anna.

Studienanfänger*innen können bereits im Bachelorstudium Verkehrswesen die Schiffs- und Meerestechnik als Vertiefungsrichtung kennenlernen.


„Ich bin ein Meermensch und kein Bergmensch“
Frühe Spezialisierung

Die Studienwahl ist manchmal gar nicht so einfach, aber Anna war eins besonders wichtig: „Als es um die Studienwahl ging, waren mir die klassischen ingenieurswissenschaftlichen Fächer zu unspezifisch. In meinem Studiengang wollte ich mich möglichst früh festlegen, in welchem Fachbereich ich später einmal arbeite.“ Die Wahl zur Schiffs- und Meerestechnik war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus: „Ich bin einfach ein Meermensch. Es gibt Bergmenschen und dann gibt es Meermenschen. Ich wollte was mit Wasser machen.“

Bereits im Bachelor arbeitete die Studierende einige Zeit in einer kleinen Werft in den Niederlanden in der Nähe von Rotterdam. Dort kümmerte sie sich um Stabilitätsberechnungen und das Zeichnen von Konstruktionsplänen. Im Master will sie sich jetzt auf den Entwurf von Schiffen spezialisieren.


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